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 [Ashitaka Emishi] Bewerbung

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BeitragThema: [Ashitaka Emishi] Bewerbung   Mi März 31, 2010 9:29 pm

Allgemeine Information


Vor- und Nachname: Emishi, Ashitaka (Übersetzung: Der Langbeinige /Wanderer)

Rufname: - Geliebter (von Rannja (meist ironisch))
Der meisterhafte Nichtskönner

Alter: 19 Jahre

Geschlecht: Männlich

Geburtsort Konohagakure

Wohnort Konohagakure

Rang Chuu-Nin

Chakranatur Katon, Doton (inaktiv)

Weitere Informationen


Familie:

Emishi, Semjon [50, lebendig, der Vater]
Emishi, Epona [47, lebendig, die Mutter]
6 Schwestern zwischen 20 und 28
Kiobashi, Rannja [17, lebendig, Verlobte]

Aussehen:
Nussbraunes Haar, mittellang geschnitten. Ein jugendliches, meist ernstes Gesicht – abgesehen von einer schmalen Narbe unter dem linken Auge unversehrt und angeblich ganz ansehnlich. Seine Augen sind dunkelbraun und neigen dazu, kalt zu wirken; ein Lächeln weitet sich nur selten bis in diese ernste Augenpartie aus.
Im Kampf oder bei widrigen Wetterverhältnissen schützt eine Maske aus rötlichem Stoff die untere Gesichtspartie, außerdem trägt der junge Mann eine Kapuze aus demselben Stoff.
Ashitakas Körperbau ist drahtig und gut für athletische Manöver gebaut, nicht aber für brutale, knochensplitternde Schläge. Das Training eines Schwertkämpfers ließ seinen rechten Arm dabei etwas muskulöser werden als den linken. Meist trägt Ashitaka eine Art blauen Kimono, gleichfarbige Handschuhe und ockerfarbene Hosen. Auf Reisen trägt er einen handelsüblichen Mantel aus Stroh.
Sein wertvollstes Schmuckstück, der Splitter Meteoriteneisen, trägt er an einem Lederband um den Hals und meist unter der Kleidung verborgen.

http://images.google.de/url?source=imgres&ct=img&q=http://3.bp.blogspot.com/_5RnwkUjjBRM/SXve3t4LEcI/AAAAAAAAAAw/UxdRslVOuks/s320/ashitaka.png&usg=AFQjCNG-q2wZpWZtFEWwU_0zNq80UPX3Hg

Ausstrahlung:
Ashitakas Gesicht ist wie gesagt ansehnlich, aber nicht auffallend. Man würde an ihm vorbeigehen und vermutlich wenig später vergessen haben, dass er überhaupt da war. Durch seine Eigenart, nicht viel zu sprechen und so gut wie keinen Kontakt zu seinen Mitmenschen zu suchen, wird er praktisch unsichtbar.
Kennt man Ashitaka besser, ist man daran gewöhnt und nimmt ihm seine scheinbare Teilnahmslosigkeit nicht übel. In einer Gruppe ist er mit einem Beobachter oder Schiedsrichter zu vergleichen, der sich nur selten in private Belange einmischt.

Charaktereigenschaften:
Ashitaka ist ein nachdenklicher, kalkulierender Typ, der sich in der Regel am wohlsten fühlt, wenn man ihn nicht in ein Gespräch zerren will. Zu Fremden ist er abschätzend und macht den Eindruck eines emotionslosen Eisklotzes, doch im Kreise von Bekannten taut er auf und beteiligt sich mit Ernst und Entschlossenheit an einer Diskussion.
Allerdings: Man hat noch nie einen Witz von ihm zu hören bekommen. Und er hat auch noch nie über einen Witz gelacht!
Wie man sich denken kann, ist es äußerst schwer, einen solchen Kerl zu reizen. Im Allgemeinen ist Ashitaka auch nicht rachsüchtig, sondern straft Unruhestifter mit einem geringschätzigen Blick – und sonst folgt nichts. Kleine Hänseleien oder blöde Sprüche sind zu banal; alles prallt an ihm ab.
Für Menschen, die seine engsten Freunde (von denen es nicht viele gibt) beleidigen oder angreifen, hat er jedoch nichts mehr übrig. In manchen Fällen kann seine Geduld auch über alle Grenzen strapaziert werden und seine harte Seite kommt heraus. In solchen Momenten spricht er mehr als sonst, ist gereizter als üblich und lässt sich sogar dazu herab, den Gegner verbal zu attackieren. Außerdem nimmt er es mit der Wahrheit sehr genau und nimmt kein Blatt vor den Mund.
Ashitaka ist also nicht der typische, >coole Außenseiter<, sondern mehr ein nachdenklicher Taktiker, der in geeigneten Momenten auch verbal in die Offensive gehen kann.
Außerdem besitzt er eine unglaubliche Selbstdisziplin, entwickelt durch das schier unmenschliche Training seines Sensei, von dem in der Geschichte noch die Rede sein wird..
Ach ja, eins noch:; Er mag es nicht, wenn sich seine Mitmenschen betrinken. Denn in solchen Runden wird er meist auch gedrängt, selbst mitzubechern – was er absolut nicht leiden kann, dafür ist er zu sehr auf kontrollierte Situationen bedacht.

Vorlieben:
è Go oder andere Strategiespiele
è Nüchterne Gesellschaft
è Die ruhigen Momente am Morgen vor der Dämmerung und nach der Dämmerung
è Die ruhigen Momente am Mittag vor dem Zenit und nach dem Zenit
è Die ruhigen Momente am Aband vor der Dämmerung und nach der Dämmerung
è Ein gutes Buch
è Der Regen, wenn er weich aufs Blätterdach prasselt.

Abneigungen:
è Schlechte Verlierer
è Betrunkene Pausenclowns (und auch nüchterne Pausenclowns)
è Selbstsüchtige Personen (auch seine Verlobte zählt irgendwie dazu...)
è Unnötige Aufregung und Hektik
è Ein schlechtes Buch (Feuerholz-Lektüre)
è Die Sonne, wenn sie ihm morgens in die Augen scheint
è Eichhörnchen

Stärken:
Körperliche Stärken:
Ein starker Körper, auf Schnellkraft ausgelegt: Ashitaka ist ein ausdauernder Nahkämpfer, dessen Schläge allerdings nicht unbedingt Knochen brechen würden. Agilität und die Taktik der Nadelstiche liegen dem jungen Schwertkämpfer mehr als ein einziger, brutaler Sturmangriff – obwohl er sich auch dazu hinreißen lassen würde, wenn sein kaltes Blut in Wallung käme...
Er trägt das Kurzschwert „Schnitter“, eine einschneidige Klinge aus chakraleitendem Metall, und benutzt sie auch regelmäßig mit großem Geschick.

Charakterliche Stärken:
Der kühle Kopf eines Strategen sitzt auf seinen Schultern. Ashitaka nimmt sich hin und wieder auch kleine Kampfpausen heraus, um seinen Gegner zu sondieren. Allein kämpft er auf der langen Bahn – ein Duell könnte, wenn es nach ihm ginge, auch mehrere Tage dauern. Seine Geduld ist hier praktisch grenzenlos, und er würde nur in äußerster Not impulsiv handeln. Solche Momente können auftreten, wenn seine Teampartner direkt angegriffen werden oder ein besonderer Gegner vor ihm steht (Rache-Motiv etc.).
Außerdem hat Ashitaka nur ein geringes Selbstwertgefühl. Vorteil? Ja.
Es ist ein Unterschied, ob jemand von sich selbst überzeugt ist oder grundsätzlich glaubt, sich in jedem Kampf hundertprozentig anstrengen zu müssen. Viel Selbstbewusstsein kann auch Unvorsichtigkeit mit sich bringen, und dies ist dieser Char niemals. Er hält sich für einen Versager und wird deshalb nie auf die Idee kommen, nicht alles zu geben, was er hat.

>Wenn einer glaubt, er lerne noch, so kommt sein Geist empor.
Wenn einer glaubt, er sei gelehrt, so wird er meist ein Tor.<

Als Anführer einer Truppe ist er mit seiner eisenharten Einstellung in der Lage, seine Kumpane zu motivieren und diszipliniert zu leiten. Sein ruhiges Gemüt wirkt sich positiv auf seine Mitkämpfer aus, wenn sie ihn als den akzeptieren, der er nunmal ist.

Kämpferische Stärken:
Ninjutsu ist Ashitakas starker Bereich. Das Feuerversteck wird durch ein gutes Taijutsu, ein trickreiches Kekkei Genkai und das Kurzschwert "Schnitter" komplettiert. Der Kampf wird nicht mit purer Kraft gewonnen: Durch effektheischende Tricks kann der Gegner auch psychologisch bekämpft werden – dies allerdings ist mehr die Aufgabe seiner Teampartner (Dazu näheres in der Sparte „Besonderes“)

Schwächen:
Körperliche Schwächen:
Ashitaka ist ein Kämpfer für den Sprintangriff oder Ausdauerduelle, doch dies hat einen negativen Grund: Er kann mit seinen Treffern keine knochenbrecherische Kraft entfalten. Seine Kämpfe dauern zwangsläufig länger, weil er seinen Feind nicht mit dem ersten Hieb ausschalten kann.

Charakterliche Schwächen:
Ashitaka verzeiht Fehler nur sehr ungern. Auch sich selbst nicht, und dies lässt ihn für andere meist als Spielverderber auftreten. Seine Gefühlskälte trägt nicht gerade dazu bei, ihn sehr beliebt zu machen – und obwohl es so aussieht, als interessiere ihn das nicht: Das tut es wohl.
Ein anderer, hervorzuhebender Fehler könnte Pragmatismus sein. Ashitaka würde sich vielleicht mit vollem Einsatz in einen Kampf stürzen, um enge Vertraute zu retten... doch für Himmelfahrtskommandos nach Art der großen Helden ist er nicht geschaffen. Er ist kein Held, nur ein Bauer auf dem Spielbrett, wie seine eigene Einschätzung ist. Diese Haltung könnte auf manche Leute, besonders die schon erwähnten "Helden" dieser Welt, negativ oder gar grausam und untreu wirken.

Kämpferische Schwächen:
Genjutsu sind nicht sein Metier. Die Intelligenz dazu hätte er zwar – doch konzentrierte sich sein Lehrplan sehr viel mehr auf das Ninjutsu anstelle von Illusionen.
Im Taijutsu liegt seine Schwäche natürlich in seiner geringen Durchschlagskraft, außerdem kann er massive Angriffe mehr schlecht als recht abwehren – ihn gegen die Wand zu donnern dürfte einem mittelprächtigen Muskelprotz nicht schwer fallen.
Hinzugefügt werden sollte außerdem, dass Ashitaka sich nur besonders gut schlägt, wenn er einen EINZIGEN Gegner hat und sich auf ihn konzentrieren darf. Gegen zwei Gegner auf einmal verliert er trotz strategischer Denkweise den Überblick, was seine Kampfgefährtin ausgleichen muss.


Ausrüstung:
è 20 Shuriken
è 10 Kunai
è 3 Fuuma-Shuriken
è 15 Explosionsmarken
è Eine Schriftrolle, in der 10 Liter Öl versiegelt sind
è Eine Schriftrolle, aus deren Siegel eine riesige Wolke Sägemehl austritt (Wolke ungefähr vier Stockwerke hoch, ehe sie sich legt)
è 5 Rauchbomben
-> Der Splitter aus Drachenglas, in dem Chakra gespeichert werden kann. Durch Konzentration ist es möglich, Chakra im Inneren dieses Steins zu lagern und es bei Bedarf wieder hervorzuholen. Dabei gilt: Es ist stets mit Verschließ zu rechnen. Es kostet mehr Energie, das Chakra nach dem Schmieden in den Stein zu pressen, als wirklich im Inneren konserviert wird. Dafür lässt sich jedoch sogar das Chakra anderer Shinobi nutzen (wenn auch etwas schwerer).
Der Anwender kann, wenn er sich allein an das Chakra im voll aufgeladenen Stein hält, ein Jutsu der Stufe A anwenden, ohne eigenes Chakra beilegen zu müssen (ungefährer Richtwert).


è Das Kurzschwert „Schnitter“, welches durch den Einfluss von Chakra mit brennender Schneide geschwungen wird. Diese orangeroten Flammen sind jedoch nicht gefährlich, sondern ein Effekt des speziellen Metalls, sobald Chakra hineingeleitet wird. Beeindruckend, aber mehr auch nicht. Der Effekt tritt meist auf, wenn Ashitaka zu einem vernichtenden Angriff ansetzt, auch bekannt als „Kampfkunst des Eisenzähnigen Dämons“ (näheres in der Jutsuliste).

Kekkei Genkai/Besonderes:
Die Shinobi des Emishi-Klans besitzen eine höchst eigenwillige Doujutsu: Okamigan. Im Vorgang des Chakraschmiedens beginnen die Augen dieser Shinobi in einem hellen gelb bis zu orange zu leuchten. Zugleich legen sich tintenschwarze Striche um die Pupille des Auges - je mehr Chakra produziert wird, desto mehr Ringe werden erscheinen. Maximal liegt die Anzahl bei drei.
Auch bei emotionaler Aufgebrachtheit kann das kekkei Genkai erweckt werden.
Diese Ringe, welche die Pupille einrahmen, haben keine Funktion, und auch sonst ist Okamigan mehr Show als wirklicher Nutzen. Eine gute Show, zugegeben... einem Gegner würde es wohl kalt den Rücken herunter laufen, wenn ihm ein Angreifer mit blendend hellen Augen entgegen stürmen würde.
Jedoch, es gibt auch praktischen Nutzen.
Nachdem drei Ringe erschienen sind, wird sich kein weiterer bilden. Stattdessen verdicken sich diese Kreise - und zwar innerhalb eines Lidschlags, wenn der Nutzer es will. Die Linien verbreitern sich derartig, dass das gesamte Auge von Schwärze bedeckt ist - mit Ausnahme einer feinen Linie zwischen dem ersten Kreis und der Pupille selbst, aus dem es nach wie vor golden leuchtet.
Dies läutet die sogenannte "Kekkai" ein: Durch den Blick allein kann der Nutzer eine Art Barriere aus reiner Energie erzeugen. Dieses Schild ist mit dem bloßen Auge kaum wahrzunehmen - stößt man jedoch dagegen, scheint die Luft zu erzittern. Die Barriere muss ständig mit Chakra versorgt werden, wobei die Menge der aufgewendeten Kraft davon abhängt, was der Anwender abfangen will: grundsätzlich muss man so viel Kraft abgeben, wie man abwehren will.
Der Schild ist anfällig für Angriffe aus reinem Chakra, da er selbst daraus zusammengesetzt wird. Hiermit sind Künste wie Rasengan oder chakrageladene Waffen gemeint; Elemente haben nur wenig Wirkung - Raiton würde noch am ehesten durchschlagen.

Nun zur Besonderheit: Ashitaka ist bereits vergeben, die Damenwelt sei erschüttert. Seine Verlobte ist jedoch eigentlich nicht sein Typ: Mit Rannja Kiobashi verbindet ihn eher so etwas wie eine Hassliebe, die sich jedoch mittlerweile zu fast freundschaftlichem Respekt gegeneinander gewandelt hat. Verlobt sind sie dennoch, denn Emishi und Kiobashi unterstützen einander in einem seit Jahrhunderten andauernden Pakt mit einer speziellen Tradition: Jedes siebte Kind der einen Familie heiratet das siebte Kind der anderen Familie.
Klingt kompliziert? Klar, diese Tradition sollte auch nie angewandt werden. Man wollte seinen Kindern schließlich nie eine Heirat aufzwingen... aber trotzdem mit einer Tradition protzen.
Gewagt und verloren: Ein Babyboom auf beiden Seiten kettet Ashitaka und Rannja nun zusammen. Gemeinsam und gezwungenermaßen stehen sie in jedem Kampf Rücken an Rücken – Rannja als taktische Genjutsu-Meisterin und angehende Sanitäterin, Ashitaka als Nahkämpfer (Böse Zungen sprechen auch von Herrin und Kampfhund oder dem "Pokemon-Prinzip", was auch immer das sein mag...). Im Allgemeinen nennt man es auch >Buddy-Prinzip<.
Großes Potenzial steckt in dieser Kombination. Jeder für sich ist nicht mehr als Durchschnitt, doch durch ihre Teamarbeit sind selbst übermächtige Gegner nicht mehr unbezwingbar.


Zuletzt von Emishi Ashitaka am Do Apr 01, 2010 2:47 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: [Ashitaka Emishi] Bewerbung   Mi März 31, 2010 9:31 pm

Kapitel 1

Der Weg einer schicksalhaften Tradition, oder: "Ich hoffe, es wird ein Junge...-

"...- Amarok", sagte Semjon Emishi gerade. Und er wiederholte: "Ich hoffe wirklich, es wird ein Junge."
"Da hoffe ich mit dir, alter Freund", gab Amarok Kiobashi zähneknirschend zu. "Jetzt weiß ich wenigstens, wie du dich fühlen musstest bei deinen vorletzten sechs Geburten. Da wurds ja auch ni-..." Er verstummte rasch wieder, als sich sechs Augenpaare zu ihm umdrehten. Weibliche Augenpaare, und sie nahmen es offenbar krumm, als Fehlgriffe bezeichnet zu werden. Sie gehörten zu den Emishi, die den linken Teil des Flurs besetzten, während sich die Kiobashis auf der anderen Seite versammelt hatten. Nebst dem Vater sechs Söhne - während auf der Emishi-Seite die Mutter ebenfalls anwesend war, fehlte sie hier, denn sie lag im Raum hinter ihnen. Im Kreißsaal.
Moment! Eine Kiobashi im Kreißsaal? Es geht doch hier um einen Emishi, oder?
Stimmt. Aber die Geburt Ashitakas verlief ohne Probleme; der Junge war mittlerweile schon zwei Jahre alt und hockte seelenruhig auf Eponas Schoß. Warum also verfolgen wir diese Geburt? Weil Ashitaka Kind Nummer sieben im Hause Emishi war... und in diesem Moment entscheidete sich die uralte Familientradition, denn auch die Kiobashis bekamen ihr siebtes Kind. Wenn es ein Mädchen würde - sechs Söhne sprachen jedoch dagegen - verlangte die Tradition eine Heirat mit dem siebten Kind der Emishis.
Ziemlich schicksalhaft. Vielleicht auch eine etwas hirnrissige Tradition, aber so war man halt in diesem schönen Lande...
Der erlösende Moment! Kindergeschrei aus dem Raum hinter ihnen; Amarok und Semjon erhoben sich gleichzeitig und verwirrten dadurch scheinbar die herauskommende Schwester.
"Ähm... wer von ihnen ist denn der Vater, wenn ich fragen darf?"
"Ist es ein Junge?", platzte Semjon drauflos, ohne auf die Frage zu achten.
Ein irritierter Gesichtsausdruck. "Nein, ein Mädchen."
"Ich bin nur der Schwiegervater", winkte der Emishi ab und setzte sich wieder.
Ashitaka dagegen ahnte noch nichts von seinem Glück. Und hätte man es ihm mitgeteilt, hätte er nichtmals mit den Achseln gezuckt. Wie hätte man auch in einem Alter, wo man gerade erst ein eigenes Bewusstsein entwickelt, verstehen können, dass man gerade "verschachert" wird an jemanden, der selbst noch nicht einmal ein Bewusstsein entwickelt hat! Höchst kompliziert, das alles, keine Frage.

Der Name von Ashitakas Zukünftiger war Rannja, und sie beide lernten sich dank der freundschaftlichen Familienbande natürlich schon früh kennen. Und konnten wenig bis gar nichts miteinander anfangen... Der ruhige, nachdenklich eingestellte Ashitaka empfand dieses Mädchen schlicht als schwatzhafte Ziege, während die wesentlich lebhaftere Rannja diesen Jungen nur als langweilig bezeichnete, sobald sie dieses Wort und seine Bedeutung gelernt hatte.
Die Sache versprach, kompliziert zu werden. Die beiden Väter trösteten sich mit dem Gedanken, dass die Sache sowieso nebensächlich war, solang nicht alle beide volljährig geworden waren.

Mit neun Jahren trat Ashitaka in die Akademie ein - und sollte sie praktisch fünf Jahre lang nicht mehr verlassen. Seine eigenbrötlerische Suche nach Ruhe förderte weder soziale Kontakte noch brachte es ihm Pluspunkte bei den Lehrern. Von Talentlosigkeit konnte nicht die Rede sein, im Gegenteil: Er zeigte sogar großes Können im Unterricht.
Wenn er wach war. Was seltener vorkam, als es allen Beteiligten lieb war! Der Junge hatte eine gewisse Lustlosigkeit an sich, die jeden Lernwillen - oder im Falle der Meister Lehrwillen - abtötete. Statt zu lernen, spielte er lieber Go oder andere Strategiespiele, was zumindest ETWAS positives für seine Eltern darstellte. Ansonsten aber ließ er den Unterricht schleifen, verbockte seine Prüfungen und zuckte doch nur die Achseln darüber.
Erst mit vierzehn Jahren wurde er zum Ge-Nin ernannt - nachdem man gedroht hatte, ihn im Falle erneuten Versagens als Hausmeister-Lehrling einzustellen. Hausmeisterlehrling in einem riesigen Baumhaus?!? Den ganzen Tag lang Blätter zusammenkehren!
Auf diesen Ansporn hätte man früher kommen sollen, so die Lehrer.


Kapitel 2 – Ein Fehlschlag, ein blöder Zufall und ein echter Schleifer

„Sag mir warum, du Langweiler!“
„Was weiß denn ich? Und nenn mich nicht Langweiler!“
„Bist du aber! Und ein Nichtskönner obendrauf!“, rief Rannja und funkelte ihren Verlobten reichlich schlecht gelaunt an.
„Guck doch nicht so“, erwiderte nun Ashitaka. „Ich kann doch nichts dafür, dass wir plötzlich in demselben Team gelandet sind.“
„Hättest dir ja die zwei Ehrenrunden ersparen können…“
Das stimmte allerdings. Hätte sich Ashitaka am Riemen gerissen, wäre er wohl mit 12 Jahren aus der Akademie gelassen worden, um als Ge-Nin Unkraut zu jäten, Einkaufstüten zu tragen oder Katzenfische in der Lagune zu fangen. So aber war er bereits 14. Und hatte Rannja als Teampartnerin.
Der leitende Jo-Nin konnte sich glücklich schätzen. Wir werden jedoch an dieser Stelle nicht weiter auf ihn eingehen – es lohnt sich schlichtweg nicht, da das Team nur wenige Wochen lang existierte. In diesem Zeitraum brachten Ashitaka und seine Verlobte den Teamleiter dieses Haufens mit ihrem Gezanke und ihrem absolut abwesenden Teamgeist schier um den Verstand. Er war wohl noch nicht reif genug für eine echte Truppe gewesen…

So kam es also, dass Ashitaka und Rannja an entgegengesetzten Enden eines Klassenzimmers hockten und auf das Urteil warteten, das sie nach dem letzten Desaster ereilen würde.
Nach einigen Minuten des Schweigens betrat ein Shinobi den Raum. Ein hochgewachsener, älterer Jo-Nin, der seinen Blick mit ruhiger Gelassenheit über die beiden Ge-Nin schweifen ließ.
„Die Lagertoilette in die Luft zu sprengen“, sagte er schließlich, „ist kein leichtes Vergehen.“
„Nein, Sensei“, erwiderte Rannja schnell, und auch Ashitaka antwortete züchtig: „Nein, Sensei.“
„Ich habe gehört, dies war nicht der erste… Vorfall.“
„Nein, Sensei.“
„Schlecht.“ Eine plötzliche Härte war in seiner Stimme aufgetaucht und ließ die beiden Jugendlichen aufhorchen. „Ich bin Tora Yuki, Jo-Nin dieses Dorfes und hier, um euch mitzuteilen, dass ihr bereits auf halbem Wege zur Tür hinaus seid.“ Er ergänzte: „Eure Shinobi-Laufbahn ist verscherzt.“ Und ließ seine Worte einige Zeit lang wirken.
Ashitaka und Rannja schwiegen betroffen und mit verkniffenen Gesichtern, wichen stoisch dem Blick des andern aus. Doch dann horchten sie nochmals auf.
„Es sei denn“, sprach Tora Yuki weiter, „Ihr seid bereit, euch von mir zu unterrichten zu lassen.“
Wie aus einem Munde riefen sowohl der Emishi als auch die Kiobashi: „Jawohl, Sensei!“
Tora Yuki musterte die beiden Ge-Nin. „Na dann… kommt morgen zum Trainingsplatz, um sechs Uhr früh. Erwartet keine halben Sachen von mir…“ Und damit wandte er sich ab, verließ das Klassenzimmer grußlos, wie er hineingekommen war.

Am nächsten Tag fanden sich Ashitaka Emishi und Rannja Kiobashi auf dem Trainingsplatz der Akademie ein. Und ihre Hoffnung auf ein gutes Ende des Ganzen schmolz mit jedem Wort ihres neuen Sensei, denn Tora Yuki stellte sich als echter Schleifer heraus.
„Ihr scheint bis jetzt zuviel Freiraum bekommen zu haben“, vermutete er, während der Jo-Nin vor seinen zwei Untergebenen einherschritt und sie mit kalten Blicken bedachte, als verurteile er sie bereits jetzt. „Zuviel Freiraum, zuwenig Auslastung, zuviel Energie für Unfug und Streiterei. Was hör ich, eure Klans werden euch beide irgendwann verheiraten? Ha!“ Der Mann lachte, doch es klang nicht ansteckend. „Ich würde dagegen wetten, wenn es mich großartig interessieren würde. Tut es aber nicht; es ist mir pauschal völlig egal.“ Er hielt in seiner Bewegung inne und legte eisige Härte in seine nächsten Worte. „Ihr seid nicht zu mir geschickt worden, um Unfug zu treiben. Um zu streiten und präventiven Ehekrach auszutragen. Ihr seid nicht hier, um Freiraum und wenig Auslastung zu erhalten.“
Ashitaka verzog das Gesicht, während Rannja hörbar schluckte.
„Ihr seid hier, um an eure Grenzen gebracht zu werden! Ich weiß, bei der einen wird dies früher der Fall sein als beim anderen“- Die junge Kunoichi nahm die Wortwahl sehr gut wahr – „und ich verlange keine übermenschlichen Heldentaten. Doch wir werden an euer Maximum gehen.“ Tora sah ihnen in die Augen, allen beiden. „Und das ist keine Drohung. Es ist ein Versprechen.“
Oh ja. Tora Yuki war ein Schleifer.

So begann ein Ausdauertraining, wie es die beiden Ge-Nin noch nie erlebt hatten.
„Erwartet keine Trainingskämpfe um Glöckchen von mir, oder ähnlichen Kinderkram. Wenn ihr es doch erwartet habt, so seid ihr hier falsch!“
Sie machten Ausdauerläufe bei jedem Wetter, in der brütenden Mittagshitze und im strömenden Regen.
„Los, los, los! Rannja, diskutier nicht mit mir! Wenn du noch reden kannst, kannst du auch noch rennen! Vorwärts!“
Der Jo-Nin hielt sie an der kurzen Leine. Den Tag über hatten sie gerademal eine Stunde lang Ruhe – wenn es Zeit zum Essen war.
„Du sagst, du vermisst deine Bücher, Junge? Nun, hättest du dich in der Baumschule mehr angestrengt, wärst du jetzt nicht hier! Aber was solls, mir ist es egal!“
Und so ging es tag für tag, Woche für Woche.
„Wer behauptet, er sei am Ende, gibt maximal 60 Prozent! Ich will jedoch 99 Prozent von euch sehen, also hängt euch rein!“
Ashitaka hielt die eisenharten Sportübungen durch, mit zusammengebissenen Zähnen quälte er sich durch unzählige Liegestütze, Kniebeugen, Dorfrunden und Tai-Jutsu-Figuren. Dazu kamen noch all die kleinen Missionen, wie sie für Ge-Nin eben typisch sind. Meist von der schweißtreibenden Sorte. Es verging kaum ein Tag, da seine Muskeln nicht brannten vor Schmerz. Doch wer noch mehr an diesen Strapazen litt… war Rannja.
„Achtzehn.“ Tora Yuki zählte an.
„UND!“ rief Ashitaka aus, nachdem er die Liegestütz ausgeführt hatte. Rannja fiel in diesen Ausruf ein, wenn auch etwas später und leiser.
„Neunzehn.“ Auf den Fersen hockend, beobachtete der Jo-Nin seine Untergebenen und kontrollierte ihre Haltung.
„UND!“ Die Arme des Ge-Nin brannten, als würden sie im Feuer baden. Es war Nachmittag, und sie hatten bereits mehrere Übungen durchlaufen. Während er sich stöhend nach pben quälte, warf er seiner Teamkollegin einen Seitenblick zu. Rannja stemmte sich kaum bis zur Hälfte hoch, dann ließ sie sich wieder fallen.
„Neunzehn“, wiederholte Tora Yuki, wie er es immer tat, wenn einer der beiden die Übung nicht vollständig absolvierte. „Rannja, hoch.“
Ashitaka stöhnte, als ihm dämmerte: Das konnte übel ausgehen. Denn Rannja regte sich nun überhaupt nicht, blieb einfach im Gras liegen.
„Neunzehn“, wiederholte Tora Yuki nochmals. Ohne Mitleid, nur kalte Neugier, ob sie sich nochmals aufraffen würde. „Rannja! Neunzehn!“
Rannja wandte den Kopf und blickte müde zu ihrem Sensei auf. „Ich kann nicht mehr, Sen-…“
Tora würgte sie ab, indem er sich wieder aufrichtete. Und anzählte: „Eins.“
Ashitaka hörte, wie Rannja rasselnd Luft holte. Es war offensichtlich, dass sie unmittelbar vor einem Heulkrampf stand. Zögerlich berührte er ihren Arm und flüsterte ihr zu: „Komm schon, du musst durchhalten!“
„Ich kann aber nicht mehr“, versetzte Rannja störrisch und absolut erledigt.
„Er wird aber nicht eher aufhören, bis-…“
„Rannja, eins!“, fuhr schließlich die Stimme ihres Sensei dazwischen. „Ashitaka, treib deine Kollegin an! Andernfalls muss ich ihr deine Liegestütze auch noch draufgeben, damit sie spurt.“
Ashitaka wandte nun selbst den Kopf zu Tora. Und wenn Blicke töten könnten, so wäre Tora Yuki in diesem Moment tausend Tode gestorben – und das wußte er. Mit derselben, distanzierten, kalten Neugier erwiderte er den Blick.
„Nun würdest du mich gern umbringen, was? Ja, bei SOLCHEN Augen könnte ich fast Angst vor dir haben.“ Er grinste jedoch nur abschätzig.
Der Ge-Nin indes wußte anhand der Reaktion des andern, dass seine Augen golden glühten und ein schwarzer Ring seine Pupille einrahmen musste. Okamigan, die Augenkunst der Emishi, erwachte. Als Rannja es sah, vergaß sie für einen Moment sogar ihre Erschöpfung. „Deine Augen…“
„Ich weiß.“ Er behielt seine Augen fest auf den Jo-Nin gerichtet und sprach mit klarer, entschlossener Stimme. „Ich übernehme ihre Liegestütze selbst, Sensei!“
Die Sache endete damit, dass Tora Yuki sie beide in die Dienstfreizeit entließ.
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BeitragThema: Re: [Ashitaka Emishi] Bewerbung   Mi März 31, 2010 9:42 pm

Kapitel 3 – So etwas wie Respekt

An diesem Abend klopfte Epona Emishi an die Zimmertür ihres Sohnes. „Ashitaka?“
„Hm?“ Der Jugendliche hatte es sich auf dem Fensterbrett bequem gemacht und blätterte in einem Ratgeber für Shogi-Profis.
„Du hast Besuch.“
„Kann reinkommen.“
Dass sich der Besuch als Rannja herausstellte, überraschte Ashitaka dann doch. Er glitt von der Fensterbank. „Nabend.“
„Nabend“, grüßte Rannja zurück und trat von einem Fuß auf den andern, während sie sich unschlüssig im zimmer umblickte. Ganz so, als wisse sie selbst nicht genau, was sie hergetrieben hatte. „Ich wollte nur… Danke sagen. Wegen heute nachmittag.“
„Keine Ursache“, erwiderte der Emishi, kickte einige Bücher von seinem Bett. „Magst du dich setzen?“ In seinem Tonfall schwang durch, dass sich zwischen den beiden Ge-Nin nach wie vor keinerlei Sympathie entwickelt hatte. Er tat nur, was die Höflichkeit gebot.
Rannja war dies sehr wohl bewusst. „Nein, ich bin gleich wieder weg.“
„Nur um >Danke< zu sagen, bist du den weiten Weg gegangen?“
„Naja… ich finde, wir sollten uns von jetzt an vertragen.“
„Ach.“
„Ja“, beteuerte die Kiobashi auf diese sehr lustlose Erwiderung. Offenbar glaubte sie, nicht ernst genommen zu werden. „Hast du es nicht gemerkt? Es hat diesem Typen gefallen, als du meine Liegestütz übernehmen wolltest!“
Ashitaka schnaubte nur zur Antwort, woraufhin Rannja weiter redete, als wäre nichts geschehen.
„Wenn wir zusammen halten, haben wir vielleicht eine Chance! Er lässt uns vielleicht sogar etwas mehr in Ruhe, wenn wir ihm den Teamgeist geben, den er will.“
Ashitaka setzte sich wieder auf die fensterbank, ließ den Blick unstet durchs Zimmer gleiten und sah dann zum Fenster heraus, auf das Dorf. „Wir können diesem Burschen aber nichts vormachen… wir haben eben keinen Teamgeist.“
„Das sollten wir ändern.“
Ashitaka wandte sich nicht um, als er antwortete. „Das wäre, als wolltest du einen einzelnen Stein auf feindlichem Gebiet in eine lebende Stellung verwandeln wollen.“
Rannja überraschte ihren Verlobten dann doch. „Dann müssen wir eben zusammenarbeiten. Zwei Augen bilden, und fertig.“
„Du spielst Go?“
Rannja lächelte dünn. „Klar. Und sicher besser als du, Nichtskönner!“
Ashitaka verließ die Fensterbank wieder. „Das will ich sehen.“

Der nächste Tag kam, und mit ihm die neue Situation.
„Nun, Leute? Bereit für einen weiteren Tag der Schinderei?“ Tora Yuki lächelte auf diese schlangenhafte Art, wie er es schon so oft getan hatte. „Ihr schuldet mir noch ein paar Liegestütze.“
Ashitaka nickte. „Wissen wir, Sensei.“
„Wir werden dies nicht so stehen lassen, Sensei“, pflichtete Rannja bei.
„Aha.“ Tora Yuki grinste weiterhin. „Na denn… ich lasse mich überraschen.“
Und das Leben ging weiter, die Missionen und das Training. Die beiden Ge-Nin begannen von nun an, mehr miteinander zu sprechen, bemüht, dadurch diesem ganzen Irrsinn etwas wie Spaß abzugewinnen. Einen trotzigen, ironischen Spaß, doch immerhin. Auch in der Freizeit trafen sie sich nun häufiger. Sprachen über den Tag und rissen Witze über den so verhassten Jo-Nin, der sie ausbildete.
Der Hass auf ihren Ausbilder war das Erste, was Ashitaka und Rannja verband. Es war ein erster Schritt auf dem Weg zum gegenseitigen Respekt.
Und Tora Yuki wußte dies ganz genau. Er traf sich abends ebenfalls mit alten Freunden. Mit Semjon Emishi und Amarok Kiobashi, seinen alten Teamgefährten aus Jugendzeiten.
„Ich muss sagen, dass ich nicht mehr dran geglaubt habe…“ Amarok trank einen Schluck Sake und schwenkte den Becher leicht im Kreis, während er sprach. „Dass Ashitaka je bei uns aufkreuzen und im Zimmer meiner Tochter verschwinden würde…“
„Ebenfalls.“ Semjon prostete ihm zu. „Wunder geschehen doch immer wieder, was? Zum Glück sind sie schon verlobt.“ Er bekam einen kritischen Blick ab.
„Also! Ganz so innig sollten wir ihre Beziehung nun nicht einschätzen!“
„Nicht?“
Tora unterbrach diesen Disput unter Vätern, indem er selbst seine Meinung kund tat.
„Ich jedenfalls bin stolz auf mich. Habe wieder einen guten Anführer hingelegt, was?“ Er lächelte ironisch. „Guckt nicht so, ihr wisst doch, wie mein Vorsatz lautet.“
„Sicher.“ Auch Semjon schien sich gerade in Erinnerungen zu vertiefen. Er sprach, als würde er etwas vor langer zeit gehörtes rezitieren.
„Ein guter Anführer lebt und leidet niemals mit seinen Untergebenen. Dies ist nicht seine Aufgabe. Er gibt ihnen jemanden… den sie hassen können.“
„Und auf diese Art… hält ein Anführer seine Truppe zusammen.“, beendete Amarok den Spruch voller Nostalgie. „Den Zorn der Untergebenen auf sich ziehen, so werden sie sich niemals gegeneinander richten.“
Tora nickte. „Eure Kinder konnten einander solang nicht aufs Fell gucken, bis jemand auf den Plan trat, den sie gemeinsam verabscheuen konnten. Ich habe ihnen ein gemeinsames Problem serviert. Mich selbst.“
„Und warst sehr überzeugend dabei“, erwiderte Semjon Emishi. „Darauf trinken wir!“


Kapitel 4 – Getrennte Wege, ein Wiedersehen und das >Pokemon-Prinzip<

Fünf Monate waren vergangen. Tora Yuki zeigte sich aus für die Ge-Nin unerklärlichen Gründen weniger streng als zuvor, schien sogar hin und wieder zufrieden mit ihrer Leistung zu sein. Als hätte man ihn ausgewechselt.
Die Grundausbildung war vorbei, und ein neuer Abschnitt begann.
Tora trennte die beiden, behielt Ashitaka unter seiner eigenen Obhut und schickte Rannja zu einem anderen Sensei – einer Medic-Nin.
Der Jo-Nin und der Ge-Nin trafen sich wie abgesprochen im Morgengrauen vor dem Tor des Dorfes, bereit für eine Unternehmung, wie sie Ashitaka noch nie ausgeführt hatte.
„Wir verlassen jetzt Konohagakure“, stellte Tora Yuki sachlich fest. „Bereit?“
„Jawohl, Sensei.“ Ashitaka rückte seinen Rucksack zurecht und überprüfte den Sitz seines Kurzschwertes. „Gehen wir.“
Und so gingen sie.
Zwei Jahre lang durchwanderten sie zusammen das Land, von dem Ashitaka Emishi nie mehr gesehen hatte als sein Heimatdorf. Die harte Ausbildung der vergangenen Zeit zahlte sich nun aus: Der Ge-Nin war gewandt genug für die Wege durch die Baumwipfel, wie sie nur Shinobi zugänglich sind. Er war stark und ausdauernd, um mit seinem Meister Schritt halten zu können. Auf dieser Reise legte Ashitaka auch den letzten Rest kindlicher Naivität ab. Er wurde erwachsen, zum Teil auch welterfahren und lernte noch immer dazu.
Tora Yuki unterrichtete seinen Schüler nicht nur im Körperkampf. Er lehrte ihn, Chakra im Brustkorb zu sammeln und Feuer zu speien. Er lehrte ihn, sein Kurzschwert zu gebrauchen. Er half ihm sogar, Okamigan, die Doujutsu des Emishi-Klans, weiterzuentwickeln.

„Ob dus glaubst, oder nicht, aber ich kenne deine Augenkunst“, sagte Tora Yuki auf seine gelassene, leicht herablassende Art. „Kannst du meine Bewegungen damit vorhersehen?“
„Nein, wieso sollte ich?“, erwiderte Ashitaka. Er hörte jedoch nur halb zu, denn seine Aufmerksamkeit wurde von dem Kiesel abgelenkt, den sein Meister in der Hand hüpfen ließ. "Bewegungen vorhersehen? Wer soll das denn...?"
„Dachte ich mir.“ Tora ließ den Kiesel beständig hochspringen und fing ihn wieder auf, als bräuchte er irgendeine Unterhaltung. „Es gab einmal eine Doujutsu, die man >Sharingan< nannte. Sie konnte die Bewegungen des Gegners so gut vorhersehen, dass der Nutzer so gut wie jedem Angriff zu entgehen vermochte. DEINE Kunst ist dieser leider... zumindest in diesem Punkt überhaupt nicht ähnlich.“
Ashitaka zuckte mit den Schultern. „Ich werde ohne Doujutsu auskommen können.“
„Können ja.“ Tora nickte bedächtig. „Aber du musst nicht. Es gibt da etwas, das man beim Sharingan >Kamui< nannte…“
Wir werden an dramaturgisch besserer Stelle wieder zu dieser Thematik zurückkehren.

Zwei Jahre verbrachte Ashitaka mit seinem Sensei in der Wildnis, auf der Straße und in fremden Ländern. Und als er zurückkehrte in sein Heimatdorf, war der meisterhafte Nichtskönner ein anderer geworden. Härter, stärker, wettergegerbt und vom Abenteuer gezeichnet. Seine Erfahrung überstieg die eines Ge-Nin bei weitem – und sein Selbstvertrauen war gestiegen.
Doch nicht nur er hatte sich über die Zeit verändert.
Zwei Jahre konnten aus einem Stubenhocker und Nichtskönner einen jungen Mann machen, doch sie konnten auch aus einer Göre eine junge Frau machen, wie Ashitaka feststellen musste.
Sein erstes Zusammentreffen mit seiner Verlobten verlief zuerst kühl, abschätzig.
„Hi.“ Ashitaka deutete eine formelle Verbeugung an. „Dir scheint es gut ergangen zu sein?“
„Auch hi“, entgegnete Rannja und erwiderte die Verbeugung vorsichtig. „Ja... und dir auch?“
„Klar... war ganz gut.“
„Vielleicht erzählst du mir mal, was du so erlebt hast?“
„Klar... kann ich machen.“
Dann breitete sich Schweigen aus.
Und ehe dieses Schweigen gänzlich peinlich wurde, brach Rannja das Eis und umarmte Ashitaka ebenso herzlich wie plötzlich. „Verdammt, Junge... müssen wir somiteinander reden, als hätten wir nie etwas zusammen erlebt?“ Sie lachte leise. „Du bist immer noch der Langweiler! Redest einsilbig daher wie...“
„Und du redest immer noch zuviel.“ Doch auch der Emishi lächelte jetzt etwas mehr als vorher.

Ebensowenig wie Ashitaka hatte Rannja ihre zwei Jahre andauernde Ausbildung nicht schlecht absolviert. Tora Yuki hatte sich darum gekümmert, sodass die Kiobashi im Krankenhaus Konohagakures zur Iryo-Nin ausgebildet wurde – zwar beherrschte sie bis jetzt nur wenig mehr als die Grundlagen,doch sie war definitiv begabt genug. Und auch eine andere seltenere Fähigkeit hatte sie ausgebildet...
„Genjutsu?“ Ashitaka hörte davon mit Überraschung und Zweifel. „Illusionen, ja?“
„Jep“, erwiderte Rannja fröhlich. „Ich bin gut darin!“
„Aha.“ Der Emishi klang nicht sehr begeistert. Und der Kiobashi fiel dies auf.
„Ist was?“
„Illusionen...“
„Ja, die sind genauso gut wie deine Feuerspuckertricks und dein Schwertgefuchtel!“
„Aha.“
Rannja schien förmlich in Anschlag zu gehen, Fingerzeichen zu machen. „Ich tu dir gleich weh, Nichtskönner!“
„Aha...?“ Die Frage nach dem >Und wie?< verkniff sich Ashitaka zum Glück. Seine Meinung über Genjutsuka jedoch nicht. „Deine Wundenversorgung und so weiter ist bestimmt ganz praktisch, aber von deiner Täuschungsspielerei halte ich absolut nichts!“
Rannjas blaue Augen verengten sich zu Schlitzen. „DU brauchst gleich Wundversorgung...“
„Nein, braucht er nicht!“, fuhr ganz plötzlich Tora Yukis Stimme dazwischen. Der Jo-Nin tauchte überraschend vor den beiden auf, mit verschränkten Armen und dem wie üblich etwas geringschätzigen Blick. „Zumindest noch nicht. Wir haben uns ja nicht auf dem Trainingsplatz getroffen, damit ihr euch gegenseitig verprügelt.“
„Schade“, erwiderte Rannja schnippisch.
„Und wozu dann, Sensei?“, fragte Ashitaka dagegen.
„Kommt gleich, kommt gleich.“ Tora winkte locker ab. „Keine Ungeduld... zunächst will ich euch etwas erklären. Rannja, wie weit ist Ayame mit deiner Ausbildung? Ich habe vorhin mit ihr geredet, und sie sagte, du wärst ziemlich begabt, was Genjutsu angeht?“
„Jep!“ Rannja lächelte mit stolz geschwellter Brust und einem fast schon arroganten Seitenblick auf Ashitaka.
„Sehr gut, das passt ja. Ashitaka, dein Ninjutsu und den Nahkampf muss ich ja nicht nachhaken. Ich kann euch also unumwunden erklären, warum ich euch beide auf so unterschiedliche Arten trainieren ließ: >Buddy-System! <“
„Wie bitte?“ Die beiden Ge-Nin hatten sich erwartungsvoll vorgelehnt... und plötzlich stand ihnen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Was soll das denn sein?“
„Ich erklärs euch: Hergesehen!“ Tora Yuki streckte die Handfläche vor. „Passt gut auf.“ Auf dem nach oben gedrehten Handteller flackerte es plötzlich in dunklem Blau. Ein Funke bildete sich. Dann schossen Blitze hervor, knisternd rasten sie in die Höhe und verschwanden wieder, so schnell wie sie gekommen waren.
„Wow“, machte Ashitaka. „Was war das? Raiton?“
„Nein“, erwiderte Rannja anstelle des Sensei. „Das war... nicht real, oder?“
„Stimmt.“ Tora ließ die Hand wieder sinken. „Das war eine Genjutsu. Eine Kunst, mit der man unter anderem einen ziemlich starken Angriff vortäuschen kann, findet ihr nicht?“ Er grinste wölfisch. „Stellt euch diese Illusion in Verbindugn mit dem Genjutsu der >Falschen Wunde< vor. Na?“
Rannja riss die Augen auf, als sie verstand. „Das wäre... hart.“
„Ein Bluff wäre es, aber ein großer. >Falsche Wunde< kann breit gefächert eingesetzt werden... vom kleinen Schnitt bis zum abgetrennten Körperteil.“ Tora deutete mit einem Kopfnicken auf Rannja. „Und dir als ausgebildete Iryo-Nin dürfte es doch nicht schwer fallen, ein paar schwere Verletzungen zu simulieren, oder? Im Krankenhaus hast du vermutlich schon mehrfach Blut gesehen.“
„Jep“, erwiderte Rannja, wenn auch etwas weniger enthusiastisch als vorher. „Ich... denke, dass ich den Treffer der ersten Kunst – die mit den Blitzen also – mit >Falsche Wunde< simulieren könnte, indem ich erst die Sicht attackiere, den Geruch von Blut in den Geruchssinn einschalte und natürlich das Nervensytem für den Schmerz -...“
„Schön, du hast das Prinzip verstanden“,würgte der Jo-Nin Rannjas Gerede ab. „Allerdings wirst du das nicht alles zugleich machen können, oder? Irgendjemand muss diesen >Treffer< schließlich anbringen können... nicht, Ashitaka?“ Tora wandte sich nun seinem anderen Schüler zu. „Nahkampf ist deine Stärke, nicht? Dafür habe ich dich schließlich trainiert.“
Und damit löste er seine Strategie für Ashitaka und Rannja auf: „Ihr werdet also zusammen arbeiten! Immer! Rannja wird ihre Genjutsu zur Unterstützung einsetzen, während Ashitaka die illusionierten Angriffe überträgt.“ Er zog schwungvoll eine Schriftrolle und ließ ein langes, schmales Katana daraus hervorspringen. „Probieren wir es doch gleich mal aus!“
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BeitragThema: Re: [Ashitaka Emishi] Bewerbung   Mi März 31, 2010 9:43 pm

Und so übten sie. Zwei weitere Jahre gingen für ihr Training drauf, in dem sich Ashitaka und seine Verlobte aufeinander einspielten. Sie lernten den jeweils anderen wieder neu kennen, erfuhren über seine Schwächen und glichen diese mit eigenen Stärken aus. Der eine lernte, die Fähigkeiten des anderen zu ergänzen, und so entwickelte sich eine extrem effiziente Zweier-Team-Taktik.
Alle Künste der Shinobi, Nin-Tai- und Genjutsu, verbanden sich in diesem Kampfstil. Eine Kombination mit Potenzial.

Fünf Jahre waren mittlerweile vergangen, seit Ashitaka die Akademie verlassen hatte. Eine gute Zeit lag hinter ihm, wie er fand – letztendlich erinnert man sich nur an die schönen Momente, nicht an all den Schweiß, der den Weg zum Jetzt bereitet hatte.
Die Ernennung zum Chuu-Nin war für ihn wie auch für Rannja ein willkommener Ansporn, noch mehr an ihrer Taktik zu feilen. Sie entwickelten sogar so etwas wie Ehrgeiz.
Tora Yuki war noch immer ein Schleifer, doch solang sich seine Schüler bemühten, konnte man dem ganzen sogar etwas wie Spaß abringen.
Auch mit Belohnungen hielt er sich nicht zurück. Zur Beförderung seiner Schüler brachte er es sogar über sich, sie zu beschenken.
Ashitaka betrachtete sein Geschenk skeptisch. „Ein Stein?“ Er hielt das Lederband mit dem Splitter schwarzen Steins vor das Gesicht. „Danke, Sensei...“
„Du hast keine Ahnung, was du damit willst, was?“ Tora grinste leicht. „Ich verrats dir: Du kannst Chakra darin speichern und es während harter Kämpfe wieder herausholen, um länger durchzuhalten.“
„Aha...“
„Dieses Gestein ist so ähnlich wie das Meteoriteneisen, aus dem dein Schwert gemacht ist. Man nennt es >Drachenglas<. Probier es einfach mal aus; schmiede Chakra und halte den Stein dabei fest in der Hand.“
Der Emishi schien endlich überzeugt. „Jawohl, Sensei. Danke.“
Ein schrilles Fiepen von links ließ ihn zusammenzucken. „Rannja!“
„Was?“ Die blonde Kunoichi blinzelte, als sei sie die Unschuld selbst. „Ich probier nur was aus.“ In ihrer Hand lag eine Mundharmonika; definitiv ein unterhaltsameres Geschenk als der Stein, wie Ashitaka anfangs dachte.
Tora wandte sich nun an Rannja. „Die Stimmblätter dieses Instruments sind aus dem Holz des Chakrabaums – derselben Pflanze, aus der man auch das Papier zum Erkennen einer Chakranatur gewinnt.“
„Wow“, machte Rannja und fiepte eine kleine, misstönende Melodie.
„Mach Fingerzeichen für ein Genjutsu, bevor du spielst, und fokussiere dein Chakra im Mundraum.“
Rannja nickte und tat wie geheißen.
Ashitaka hörte dieser in seinen Ohren recht miesen Spielart skeptisch zu. „Also, ich weiß ni-... heh?“
Zu seinen Füßen knackte es im Boden. Eine grüne Bohnenranke wand sich heraus und machte doch glatt den Versuch, sich an seinen Beinen festzuklammern.
„Weg da“, zischte er und trat zurück. Die Ranke folgte ihm plötzlich, als sei sie keine Pflanze,sondern eine zubeißende Schlange! Im Nu hielt sie sein Knie im Klammergriff! „Mistding!“
Rannja hörte auf zu spielen und sah zu ihrem Verlobten. „Probleme, Geliebter?“ Mit einem Wink löste sie die Illusion auf und die Ranke zerfiel im Nichts.
Ashitaka schnaubte etwas Unverständliches zur Antwort.

Der Tag mochte kommen, da Tora Yuki seine Schützlinge allein ließ. Und er kam sogar sehr bald.
Es kam der Tag, da Ashitaka und Rannja vom Tode ihres Sensei hören mussten, und fortan war nichts mehr, wie es war.
Die Sonne stand fast im Zenit, als sich Ashitaka über die Wendeltreppe auf das Dach des Hauses begab. Rannja hatte hier oben Erde aufhäufen lassen und das Dach in eine große Beetanlage verwandelt.
„Gib mir bitte die kleine Schaufel da“, wies sie ihren Verlobten an, ohne auch nur an einen Gruß zu denken oder zu ihm aufzusehen. Als er nicht reagierte, setzte sie nach: „Neben deinem linken Fuß!“
„Ich bin nicht hier, um dir beim Gärtnern zu helfen“, versetzte Ashitaka trocken, reichte ihr aber dennoch den Spaten. „Ich muss mit dir über den Sensei reden.“
„Ich muss mich um meine Drachenpfefferschillischoten kümmern. Ich kann sie nicht als Medizin gebrauchen, wenn sie noch länger hier oben in der prallen Sonne hocken.“
„Deine Kräuterrezepte sind mir egal.“
Rannja reagierte nicht darauf, sondern machte sich daran, mithilfe des Handspatens einige faustgroße, flammendrote Knollen aus dem Boden zu ziehen und in einen Korb zu legen.
„Der Sensei ist mir aber nicht egal. Und DIR auch nicht.“
Die Kiobashi hielt inne. Wandte den Kopf und blitzte Ashitaka wütend an. „Tora ist tot, akzeptier das. Akzeptiere und geh mir nicht auf die Nerven!“
„Ich werde dich aber brauchen, wenn ich ihn rächen will.“
„Aha“, machte Rannja und ahmte ihren Verlobten damit perfekt nach. „Und wenn mir gar nicht nach Rache ist? Vielleicht ist es mir völlig egal, wer Tora abgestochen hat! Er hat selbst gesagt, dass jeder irgendwann dran ist!“ Sie hatte sich plötzlich erhoben und piekte Ashitaka mit dem Spaten gegen die Brust wie mit einem Messer. „Ich weiß nicht, woher dein plötzliches Verlangen nach Blut kommt, Nichtskönner, aber eins weiß ich: wer auch immer das getan hat…“, und bei diesen Worten bohrten sich ihre blauen Augen tief in die Seinen, „… wird uns ebenfalls umbringen.“
Ashitaka hielt diesem Gletscherblick stand. „Der Sensei war von uns überzeugt. Er sagte, dass wir mit unserer Taktik sogar einen Jo-Nin töten könnten.“ Nun drehte sich der Spieß um; Ashitaka schob die Schippe aus dem Weg, trat dichter an Rannja heran. Seine braunen Augen drangen in die Ihren ein. „Sei ehrlich. Du fühlst dasselbe wie ich! Angst ist alles, was dich abhält! Aber die musst du nicht haben.“
„Ach, Nein? Weil du dabei bist?“, fragte Rannja schnippisch.
„Ganz genau.“
Sie starrten einander an, zwei Chuu-Nin, zwei junge Menschen, zwei einander Versprochene.
Rannja seufzte schließlich, senkte den Blick auf ihren Korb, der schon gut mit Kräutern und Knollen gefüllt war. „Hilf mir, das Zeug nach unten zu bringen… und dann reden wir weiter.“

Am Abend schließlich war der Plan gefasst.
„Erstmal brauchen wir ein Ziel“, stellte Rannja fest. „Wir brauchen die Akte der Mission.“
„Mittlerweile müsste sich das Ding in der Verwaltung befinden. Die Informationen der Überlebenden sind sicher schon aufgenommen“, sagte Ashitaka. „Fertig?“
Rannjas Gesichtsausdruck wirkte beklommen, als sie nickte und zu dem Verwaltungsgebäude des Dorfes hinüber sah. Ein gewaltiger Mammutbaum bildete das Gerüst; aus seinem Stamm ragten in regelmäßigen Abständen Wendeltreppen, verliefen um den Baum herum und führten ins Blätterwerk. Konohagakure war eben fest mit den Wäldern verbunden... Doch schlimmer war der Wächter vor dem Haupteingang, der sich lässig auf seine Naginata, eine Art Mischform aus Schwert und Lanze, stützte.
Rannja drückte dem Emishi eine Flasche in die Hand. „Na dann… hier. Gib das dem Wächter.“ Auf seinen skeptischen Blick hin erklärte sie hastig: „Kein Gift! Alraunenwurzel, stark verdünnt. Er wird einfach pennen, als hätte er zuviel gesoffen!“
„Aha“, machte Ashitaka.
„Aha`mich nicht ständig an!“, fauchte Rannja, schlug Fingerzeichen und verschwand plötzlich im Nichts! Zumindest schien es so, doch der Emishi konnte die Stimme der jungen Frau noch immer hören. Außerdem konnte er ihre Shilouette erkennen, wenn er genau hinsah und aktiv nach ihr suchte. Ein Schemen, in dem die Luft seltsam zu flirren schien wie über großer Hitze.
„Was ist?“ Der Schemen ruckte mit dem Kopf. „Sieh zu, dass du ihm das Zeug unterjubeln kannst. Ich schleich mich vorbei!“
„Gut.“ Ashitaka trat aus dem Schatten der Bäume ins Mondlicht hinaus und schlenderte auf den Wächter zu, den er trotz dessen Tiermaske erkannt hatte. „Heyho, Shino“, grüßte er den anderen und lächelte gezwungen, was man zum Glück nicht genau im Halbdunkel ausmachen konnte. „Na, wie geht’s uns?“
„Ganz gut, denke ich…“ Der Wächter war so überrascht über Ashitakas freundliches Getue, dass er sogar vergaß, ihn für die Nennung seines Namens zu tadeln. „Und… bei dir?“, fragte er misstrauisch.
„Ebenso“, erwiderte Ashitaka leutselig und lehnte sich neben dem Wächter an die Hauswand. „Wußtest du, dass ich bald heirate?“
„Sicher“, erwiderte Shino trocken. Jeder wußte von dieser dämlichen Tradition… „Rannja müsste doch schon bald volljährig sein, nicht?“
„Leider, leider…“, jammerte Ashitaka resignierend. „ich leide Todesqualen, wenn ich nur daran denke. Ich denke übrigens an wenig andres, musst du wissen… mit dieser FURIE verheiratet zu werden ist doch wirklich-…“ Ashitaka stockte urplötzlich, als er wieder den Schemen sah. Er stand kaum eine Armlänge von Shino entfernt.
„… wirklich zum Heulen?“, versuchte der Wächter, dem scheinbar nach Worten suchenden Emishi auf die Sprünge zu helfen.
Ashitaka beobachtete mit hochgezogener Augenbraue, wie der Schemen zum Schlag ausholte.
„So schlimm ist sie doch gar nicht“, sagte Shino dann jedoch – der Schemen verwirbelter Luft hielt in der Schlagbewegung inne. „Hübsch, talentiert… und hat Temperament. Manch anderer würde sich freuen, an deiner Stelle zu sein, Emishi.“
„Ich nicht“, versetzte Ashitaka trocken und stellte mit Erleichterung fest, dass sich der Schemen nun endlich wieder auf die Tür zubewegte. „Aber egal… trinken wir?“ Er hielt dem Wächter die Flasche hin. „Meinetwegen auf das Temperament meiner Verlobten, wenn du willst.“
„In diesem Falle solltest du wohl zuerst?“

Rannja huschte inzwischen ins Innere des Hauses. Nach kurzer Orientierung fand sie ihr Ziel im zweiten Stockwerk: Das Lager für Akten, die abgeschlossen waren, jedoch noch relativ frische Missionen behandelten. Die Kiobashi lugte in das Büro, fand es leer und glitt wie eine professionelle Diebin hinein. Sie schien auch ebensoviel Glück zu haben: Die Aktenschränke waren nicht verschlossen. Sie warf das Genjutsu der Hintergrundtarnung von sich, da es sie zu sehr ablenken mochte, und fuhr mit einem perfekt manikürierten Finger über die Ordnerrücken.
„Yubaki, Yugo, Yuki… Yuki!“, hauchte sie aufgeregt und zerrte die Akte hervor. Sie zeigte die Namen sämtlicher Teilnehmer der Mission auf dem Deckel; Tora Yuki stand natürlich als Teamleiter an vorderster Stelle.
Rannjas Freude währte nur kurz. Sie warf einen Blick ins Innere des Ordners und zischte einen völlig undamenhaften Fluch. Denn der Text war fünfzehn Seiten stark. Und unleserlich.
Und dann Schritte auf dem Flur. Anscheinend hatten sie den falschen Wächter ausgeschaltet…
Rannja riss die Augen auf, unterdrückte einen zweiten wüsten Ausdruck und umklammerte die Akte, presste sich an die Wand und schloss das Fingerzeichen gerade noch rechtzeitig, um ihre Gestalt dem bürograuen Hintergrund anzupassen. Ein Shinobi streckte seinen Kopf durch die Tür.
„ich war mir sicher, was gehört zu haben… hm.“
„Vielleicht nur eine Maus, oder ein Eichhörnchen“, erklang die eindeutig genervte Stimme eines weiteren Wachmannes. „Komm wieder her; du bist am Zug.“
„Komme ja…“ Der Kopf verschwand wieder.
Rannja seufzte erleichtert auf.
Der Kopf war sofort wieder da, bescherte Rannja um ein Haar einen Herzinfarkt und suchte den Raum ab, als gelte es, unbedingt etwas zu finden! Systematisch glitt sein Blick durch das Büro, fiel auf den Tisch neben Rannja, dann…
„Nun komm endlich, Mann!“
„Jajaja…“ Der Kopf verschwand wieder. Sekunden später hörte man das Klacken von Holz.
Diesmal verbiss sich Rannja ein Aufseufzen. Sie wollte gerade noch einmal die Akte durchblättern – da stellte sie fest, dass dies nicht möglich war, ohne ihre Tarnung aufzugeben! Oder haben sie schon einmal versucht, ein ordernförmiges Schemen wabernder Luft zu lesen?
Rannja ließ das Genjutsu erneut fallen, überflog die Seiten und resignierte. Jetzt und hier, unter Zeitdruck und mit den Nerven am Ende, konnte sie unmöglich irgendetwas decodieren! Die Kiobashi löste die Blätter aus der Akte und ließ sie zusammengefaltet in ihrer Tasche verschwinden. Dabei versicherte sie sich ständig, ob sie noch das Klacken der Shogifiguren auf dem Brett hören konnte. Langsam, still und heimlich entnahm sie einen weiteren Ordner einige Blätter und stopfte sie in den nunmehr leeren Ordner. Beide stellte sie nun wieder zurück in den Schrank.
Da die texte allesamt verschlüsselt waren, würde man nur bei näherem Hinsehen erkennen, dass ein Fehler vorlag. Rannja hoffte einfach, dass dieses nähere Hinsehen nicht zu bald der Fall sein würde, und verschwand wieder nach draußen.
Dort fand sie ihren Verlobten, schlafend zusammen mit dem Wächter.
„Kerle!“, fluchte sie und schleifte Ashitaka mit sich vom Tatort.

Ashitaka erwachte mit brummendem Schädel und pelziger Zunge. „Uhh…“
„Keiner hat was davon gesagt, dass du auch trinken sollst!“, fiel Rannja sofort über ihn her. „Wir hätten schon vor einer Stunde anfangen können, den Text zu decodieren!“
„Was gibst du mir auch kein Gegenmittel…“
„Und meine schönen Drachenpfefferschillischoten in die Pfanne hauen?“ Die Kiobashi warf ihrem Verlobten, der auf ihrem Bett lag, sieben Bögen Papier in den Schoß. „Vergessen wirs und konzentrieren uns auf das hier!“
Ashitaka besah sich das erste Blatt. „Na klasse. Ich bin kein guter Kryptoanalytiker.“
„Ich schon“, flötete Rannja mit enormem Selbstbewusstsein. „Aber du kannst trotzdem mitmachen. Sobald ich den Schlüssel zum Algorithmus gefunden habe, gebe ich ihn dir.“
„Wie nett von dir, Frau Schlau“, frotzelte Ashitaka, und allein dies zeigte, wie sehr ihm der Schädel brummen mochte. Der Emishi machte niemals Witze, wenn die Lage nicht im Argen lag. Und auch dann ließ er dies gewöhnlich bleiben.

„Alles klar“, meldete Rannja schließlich. Nach einer Stunde hatten sie den Schlüssel zu dem Algorithmus gefunden, weitere zwei Stunden später legte Rannja ihren Stapel Dokumente ab. „Ich bin fertig. Du auch?“
„Hier.“ Ashitaka sah nach wie vor ziemlich mitgenommen aus. Seine Handschrift – wie man an den entschlüsselten Texten sehen konnte – war auch nicht mehr die Beste. „Lass uns sehen, was wir haben.“ Er nahm Rannjas Papierstoß zu seinem eigenen und blätterte die Seiten durch. „Okay… an der Grenze zu Tsuki also.“
„Beschattung war die Aufgabe“, ergänzte Rannja. „Der Beschattete wollte offenbar nicht mitspielen…“
„Er war auch nicht allein. Die Akte redet von einer ganzen Gruppe.“
Rannja sah über die Schulter des Emishi auf den Text. „Es gibt Namen und Lichtbilder.“
„Aber keine Daten über den Aufenthaltsort.“ Ashitaka ließ sich seufzend in den Stuhl sinken. „Das verkompliziert die Sache…“
Rannja verschränkte die Arme vor der Brust. „Das macht es wohl eher unmöglich. Wir können doch nicht auf gut Glück losrennen und hoffen, dass einer dieser Typen uns über den Weg läuft.“
„Nein… aber wir können einen Umweg machen.“ Ashitaka blickte über die Schulter zu Rannjas zweifelndem Gesicht empor. „So, wie man es im Film immer macht: Über den Untergrund.“
Die Miene der Kiobashi erhellte sich. „Die Kleinganoven? Die Pfandhändler und all diese halblegalen Kerle, die für die großen Fische die Drecksarbeit erledigen?“
„Ebendiese Kerle. Ihre Namen findet man im Register des Bingo-Buchs, nicht?“
„Klasse!“ Rannja fischte eines der Blätter aus dem Stapel und las die Namen. „Vier Namen… mit wem fangen wir an?“
„Mit dem Letzten“, erwiderte Ashitaka erleichtert, dass sich nun auch Rannja für sein Unterfangen erwärmte. „An den anderen dreien könnten bereits andere Teams dran sein… und denen sollten wir nicht über den Weg laufen.“ Der Emishi tippte auf das Papier. Auf den Namen.
Rannja las ihn laut vor. „Damakura, Koaku.“ Sie zuckte gleichmütig mit den Schultern. „Ein Name wie jeder andere. Meinetwegen.“
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BeitragThema: Re: [Ashitaka Emishi] Bewerbung   Mi März 31, 2010 9:45 pm

Kapitel 6 – Die Sache mit der Foltermedizin

„Okay. Weck ihn auf.“
„Jawohl, Geliebter!“
„Du brauchst nicht so schadenfroh zu grinsen.“
„Nein, Geliebter!“
„Wird mal nicht fuchsig… weck ihn einfach.“
Rannja tat wie geheißen, flößte dem auf das Bett Gefesselten eine rötliche Flüssigkeit ein, die irgendwie an Tomatensaft erinnerte. Eine Sekunde später erwachte Zatoichi Momochi auch schon, als der Trank ihm den Magen aufräumte und das Schlafmittel neutralisierte. Er ächzte, stöhnte und würgte, wobei das ganze Bett strapaziert wurde.
„Was hast du ihm gegeben?“, fragte Ashitaka aus reiner Neugier.
„Drachenpfefferschillischotensirup.“
„Ach so.“
Dann flog ihnen auch schon der erste Fluch um die Ohren. „Arschlöcher! Kanalratten!“ Der Mann bäumte sich so weit auf, wie es die Fesseln zuließen, und spuckte aus. Der Speichel kam bis vor Rannjas Fußspitzen. „Miststück!“
Scheinbar hatte es Zatoichi nicht gefallen, erst von einer hübschen Blondine zu einem Schnaps eingeladen zu werden, einzupennen und dann im verlausten Bett einer heruntergekommenen Gaststätte aufzuwachen.
Rannja ignorierte die Beleidigung gekonnt. „Tut uns leid, dass wir so mit ihnen umspringen mussten, Herr“, begann sie schließlich. „Aber wir fürchteten, sie würden uns ohne Gewaltanwendung unsererseits nicht genug entgegenkommen.“
„Sie meint, dass wir mit ihnen über etwas reden wollen, das nicht ganz in ihren Buchhalter-Beruf passt“, fügte Ashitaka langsam hinzu. „Verstehen sie? Wir sind an sich keine schlechten Leute; bei entsprechendem Entgegenkommen sind die Fesseln ganz schnell wieder ab.“
Ihr gefangener „kleiner Fisch“ würgte noch ein wenig von dem Sirup, ehe er still hielt und sich die Worte des jungen Mannes durch den Kopf gehen ließ. Ein wissendes Lächeln schimmerte in seinem Gesicht auf. „Ah… daher weht der Wind.“
„So kann man sagen“, erwiderte Ashitaka beflissen freundlich. „Wir wollen Informationen. Damakura Koaku.“
„Und Ryu Kodaka“, zählte Rannja auf.
„Und Narake Akatsuki“, fügte Ashitaka hinzu.
„Und Arale Keiichi“ endete Rannja ernst.
Zatoichi lachte auf. „Ha! Sonst noch was?“
„Wir deuten dies als nein.“ Ashitaka nickte Rannja zu. „Du darfst.“
Die Kiobashi grinste hocherfreut und trat an den Gefangenen heran. Um ihren ausgestreckten Zeigefinger pulsierte eine Aura grünlichen Chakras und ein beruhigendes Summen ging davon aus. „So… und jetzt wenden wir mal das Schulwissen aus dem Sanitäterkurs an.“ Rannja tippte Zatoichi gegen die Stirn. Und mehr nicht.
„Wie lang müssen wir warten?“, fragte Ashitaka vom Fußende her. Zatoichi grinste noch immer überheblich, jedoch wurde er allmählich nervös, was seine beiden jungen Entführer anging.
„Hm…“ Die Kunoichi fuhr über die Stirn des Mannes und betrachtete den Schweiß auf ihren Fingern. Er glänzte im Kerzenlicht. „Wenn ich ihn in einer Stunde nicht von der Kunst erlöse, wird er sich so ausgetrocknet fühlen wie nach zwei Stunden Sauna.“
„Dann sollten sie besser antworten, Zatoichi“, entgegnete Ashitaka in kameradschaftlichem Tonfall. „Wie gesagt, ihre lockere Zunge lockert auch ihre Fesseln und erleichtert uns allen das Leben.“
Zaotichi spuckte ihnen vor die Füße.
„Sparen sie lieber ihre Körperflüssigkeit“, riet Rannja gleichgültig. „Wir sehen uns also in einer halben Stunde, nicht?“
„Bis dahin sollte er noch leben, oder?“
„Bestimmt.“
Es stimmte; als die beiden Chuu-Nin wieder zurückkehrten, lebte ihr Gefangener noch. Das Bett jedoch war schweißgebadet, der Gefesselte selbst stark dehydriert.
Das Spiel begann von vorn.
„Damakura Koaku“, sagte Ashitaka, herzhaft in einen Apfel beißend.
„Ich weiß nichts!“
„Schade“, kam es von der anderen Seite des Zimmers, wo es sich Rannja auf einem Stuhl bequem gemacht hatte, verkehrt herum sitzend und den Kopf auf die Lehne gebettet. Ihre blauen Augen verfolgten die Durstqualen des Mannes mit kalter Neugier. „Dann Ryu Kodaka.“
„Wer soll das sein?“
„Niemand.“ Ashitaka biss knackend in den Apfel, sodass ihm der Saft vom Kinn tropfte. „Versuchen wir es eben mit Narake Akatsuki.“
„Niemals!“
„Arale Keiichi“, rief Rannja wieder. Und zauberte ein Glas Wasser hinter der Stuhllehne hervor. „Und zum Ausgleich ein Glas Wasser?“ Sie winkte damit und etwas Wasser spritzte auf den Fußboden.
„Ich mache keine Geschäfte mit Galgenvögeln wie euch…“ Zatoichi bewies beneidenswertes Durchhaltevermögen, auch wenn seine Blicke ständig das Wasserglas fokussierten. Er platzte beinahe, als die Kiobashi mit den Schultern zuckte und das Glas einfach auskippte. „Dann nicht. Damakura Koaku!“
„Lasst mich gehen!“
„Ryu Kodaka!“
„Niemals!“
„Narake Akatsuki!“
„Kenne ich nicht!“
„Arale Keiichi!“
„Ihr bekommt nichts aus mir heraus!“
„Abwarten.“ Ashitaka gab Rannja einen Wink. „Wir müssen härtere Seiten aufziehen, was?“
Rannja grinste spitzbübisch. „Klar…“ Neuerlich flimmerte eine türkise Chakra-Aura, diesmal jedoch ergriff sie ihre gesamte Hand. Und die Kiobashi berührte ihr Opfer auch nicht nur; sie schlug ihm in den Magen, und gleich darauf knickte der Mann unter Magenkrämpfen zusammen, sofern es die Fesseln an Armen und Beinen nicht verhinderten.
Rannja trat zurück. „Jetzt sind es nur Krämpfe.“ So etwas wie Zorn schwang in ihrer Stimme mit. Sie war eindeutig ungeduldig, wie immer. „Beim nächsten Mal schlage ich tiefer. Treffe ich die Blase, erlebst du dein blaues Wunder!“
Ashitaka saß seelenruhig in der anderen Zimmerecke. „Nun? Darf ich ihnen nochmals Kooperation anbieten?“ Er warf den abgenagten Apfelstrunk beiseite. „Und ein Glas Wasser als Dreingabe?“
Zatoichi regte sich langsam wieder, richtete den Oberkörper auf und starrte mit grenzenlosem Hass auf Rannja, ehe er sich Ashitaka zuwandte. „Zwei.“
„Hm? Zwei Informationen?“
„Zwei Gläser Wasser.“

Kapitel 7 – Okamigan, das Kekkei Genkai eines meisterhaften Nichtskönners

Damakura Koaku bewohnte ein kleines Haus in einer etwas größeren Siedlung im Bergland. Hier fand er seine Zuflucht, wann immer sein gefährliches Leben eine solche Zuflucht nötig machte. Wie auch jetzt eben, nach dem Kampf mit den Jo-Nin aus Konohagakure.
Eine dumme Sache. Unnötig. Es verzögerte all die Pläne, die er mit seiner Truppe gehabt hatte… nun hatten sie sich alle in ihre Rückzugsorte geflüchtet, jeder für sich, denn sie alle misstrauten einander, wie es vernünftige Menschen eben zu tun pflegen. Sie wollten warten, bis sich der Wirbel um den Toten gelegt hatte und die Jagdninja nicht mehr aktiv nach ihnen fahndeten.
Und so wartete der Nuke-Nin und las ein Buch. Bis ein Kieselstein gegen die Fensterscheibe knallte.
Der Nuke-Nin trat ans Fenster und erblickte im Halbdunkel der Straße einen seiner Kontakte aus dem Urwald.
Einige Momente später trat Damakura Koaku vor die Haustür. „Was willst du, Zatoichi? Ich hatte dir doch eingeschärft, nicht hierher zu kommen.“
„Aber diesmal war es ein Notfall, Herr!“, beteuerte der andere sofort mit mühsam beherrschter Stimme.
„Man sucht nach euch!“
„Ach ja?“ Der Nuke-Nin zuckte mit den Schultern. „Das war vorauszusehen…“ Doch Zatoichi redete weiter.
„Zwei Typen waren bei mir und haben…“, er blickte sich kurz nach links und rechts um, „… nach euch gefragt. Es waren keine ANBU!“
„Waren es nicht?“ Nun schien Damakura doch aufzuhorchen. „Dann sag doch mal… wer es war?“
„Zwei junge Menschen“, informierte Zatoichi hastig. „Ein Mann und eine Frau. Sie haben - …“
Die Bewegung kam mit bestürzender Schnelligkeit – Damakuras Hand schoss vor, umfasste die Kehle seines Gegenüber und quetschte sie gegen die rückwärtige Hauswand.
Sie?
Ja. Das Verwandlungsjutsu platzte unversehens und Rannja kam zum Vorschein, von dem älteren Shinobi regelrecht in der Luft gehalten. Sie hatte sein Handgelenk gegriffen und mühte sich erfolglos ab, den Griff um ihre Kehle zu lösen.
„Zatoichi hat nicht die Art, auf offener Straße von so etwas zu sprechen“, sagte Damakura abgeklärt. „Dafür hat er viel zu viel Angst vor Lauschangriffen. Schlechter Plan.“
Rannja kämpfte noch immer, doch ihre Bewegungen erschlafften langsam.
Dann kam etwas wie ein Stoß; Blut färbte das Gesicht der Kiobashi rot und zugleich erstarb der eisenharte Griff um ihre Kehle. Als sie wieder zur Besinnung kam, fiel ihr Blick sofort auf die rotschimmernde Klinge, die aus Damakuras Brustkorb ragte, wenige Zentimeter von ihrem eigenen Körper entfernt.
Ashitakas Kopf erschien hinter der Schulter des Mannes. Golden glühten seine Augen, und zwei tintenschwarze Kreise zeichneten sich um seinePupille ab. „Hab ihn.“ Mit einem Ruck riss er Schnitter, sein Kurzschwert, wieder aus dem Rücken des Mannes heraus.
Damakura Koaku fiel. Und verwandelte sich in Schlamm!
„Ih!“ rief Rannja aus; auch das Blut, das in ihr Gesicht gespritzt war, wurde nun zu bröckeliger Erde.
Am anderen Ende der Straße trat der wahre Damakura Koaku aus dem Schatten. „Immer noch ein schlechter Plan.“ Er schloss die Fingerzeichen, atmete tief ein und jagte eine riesige Feuerwoge auf die beiden Chuu-Nin los! Die Flammenwalze nahm einen Großteil der Straße ein und fegte mit gnadenlosem Fauchen auf ihre Ziele zu.
„Mist!“ Ashitaka handelte kurzentschlossen und trat Rannja in die Kniekehle. Die Kiobashi schrie mehr aus Überraschung als vor Schmerz, als ihr die Füße weggezogen wurden und sie – natürlich – in der Schlammpfütze des Erddoppelgängers landete. Dann war ihr Verlobter über ihr. „Liegen bleiben!“
Der Emishi fokussierte sein Chakra auf dem linken Auge. Ein dritter Kreis umschloss seine Iris - und Okamigan veränderte sich erneut.

„Es gibt eine Kunst, die man >Kamui< nannte“, erklärte Tora Yuki seinem Schüler gerade. „Dabei geht es darum, seinen Blick auf etwas in dieser Welt zu richten – ein Geschoss etwa – und es in eine… man möchte sagen: andere Dimension zu werfen. Verstehst du?“
„Nicht besonders, Sensei…“
„Musst du auch nicht, was für ein Glück! Dimensionsrisse bekommt Okamigan meines Wissens nämlich gar nicht hin!“ Der Jo-Nin lachte auf, als wäre dies äußerst lustig. Er fasste sich allerdings auch schnell wieder. „Naja… egal. Deine Doujutsu jedenfalls kann etwas anderes: Du reißt den Raum nicht auseinander… du verdichtest ihn!“
„Aha?“ Ashitaka tat so, als verstehe er, was sein Sensei meinte. Und ließ ihn reden. "Wir sind immer noch bei der Legende, oder? Sharingan und Kamui also...?"
„Ja. Statt ein Objekt in dieser Welt in eine andere Dimension zu zerren, könntest du bei entsprechendem Training in der Lage sein, Dinge >aufzuhalten<, von dir abzurücken. Dafür brauchen wir erstmal das >Vollständige< Okamigan, welches chronologisch nach dem Okamigan der drei Kreise angeordnet wird.“
„Und wenn ich es bisher nur bis zur zweiten Stufe gebracht habe, Sensei?“
„Dann werden wir eben üben!“ Tora Yuki warf im nächsten Moment mit einem Kieselstein nach seinem Schüler. „Hier! Block das!“ Natürlich passierte nichts; der Kiesel titschte gegen die Stirn des Ge-Nin.
„Au!“
„Klappe zu, Augen auf!“
Lernen durch Schmerz. Ashitaka entwickelte auf diese Weise die vierte Stufe seines Kekkei Genkai – andernfalls hätte ihm Tora ein Loch in den Schädel gehämmert mit all den Kieseln, die mit der Zeit immer größer zu werden schienen!
Um für eine Herausforderung, die er selbst zu dieser Zeit noch nicht erahnt hatte, gewappnet zu sein, leitete Tora Yuki seinen Schüler an, seine eigene Doujutsu zu entwickeln. Ashitaka Emishi erschuf >Kekkai<. Und er blockte den Kieselstein nach drei Monaten des Trainings ab.

Die drei Kreise verschmolzen zu einem dicken Band, wucherten aus und umschlossen das Licht, verbannten das wilde Leuchten bis auf einen feinen Riss, der sich um die Pupille selbst wand und als leuchtende, haarfeine Schnurr zu erkennen war.
Ashitaka warf den Blick voraus, auf die Flammenwand, und knapp zehn Meter vor ihnen erzitterte die Luft. Schien wie Wasser in einem Strudel zu kreisen, in Schlieren zu zerfließen. Die Woge aus Flammen zerschellte an diesem Hindernis, umfloss die Barriere aus zitternder Luft und raste brüllend über die beiden Chuu-Nin hinweg.
Rannja keuchte auf, als sich dieses pyrotechnische Schauspiel vor ihr, neben ihr und über ihrem Kopf aufs farbenprächtigste entlud. „Wow!“ Dann fiel ihr Blick auf das Gesicht ihres Verlobten. „Ein neues Okamigan… seit wann kannst du das?“
„Habs auf der letzten trainingsreise entwickelt“, entgegnete Ashitaka. Ruckartig entließ er die Luft, die er unwillkürlich angehalten hatte. „Habs erst zweimal benutzt.“
Unter Rannjas Begeisterung mischte sich das flaue Gefühl, dass Glück ein nicht unwesentlicher Faktor für ihr Überleben gewesen war. Dass einem dies nicht unbedingt behagte, dürfte auf der Hand liegen…
Verstreut glimmten noch immer kleine Feuer, als sie sich aufrappelten und ihrem Feind entgegentraten. Damakura Koaku verharrte auf der Stelle; ignorierte Rannja und musterte Ashitakas Okamigan.
„Du hast sehr amüsante Augen, Junge…“ stellte der Mann abgeklärt fest. „Ich würde euch ja an Ort und Stelle töten, doch bin ich interessiert an dieser seltsamen Jutsu.“ Er sah sich um. „Hier ist ein Kampf unter Shinobi zu eingeengt. Gehen wir an einen anderen Ort.“
Ashitaka erwiderte den Blick trotzig und hob Schnitter auf halbe Höhe. „Dann los!“
„Folgt mir ins Freie…“ Der Koaku verschwand mit einem Windstoß, und die beiden Chuu-Nin machten es ihm nach.

Auf einem Feld aus Ödland standen sie sich erneut gegenüber.
„Wir ziehen die übliche Nummer durch“, entschied Ashitaka abgeklärt und nüchtern wie immer. „Hammer auf Amboss.“
Rannja nickte. „Gut.“ Ihr Gesichtsausdruck war nicht wie der ihres Verlobten gefasst und ruhig, sondern missmutig und zweifelnd. „Ashitaka… der Kerl ist stark, das spüre ich.“
Die einzige Tochter Amarok Kiobashis hatte ein gewisses Talent, was das Spüren von Chakra anging. Man nannte es einen >Sensor<, wenn sich Menschen als >wetterfühliger< gegenüber dieser seltsamen Energiequelle zeigten.
„Sein Chakra fühlt sich übel an“, bekräftigte Rannja nochmals, stieß damit jedoch auf taube Ohren.
„Wir ziehen die übliche Nummer durch“, entschied Ashitaka nachdrücklich. „Los!“
Seine Verlobte seufzte – und verschwand vom Fleck weg, verschmolz dank ihres Genjutsu mit der Umgebung. „Stell deinen Funk auf Freisprech“, raunte sie noch, ehe sie sich mit Shunshin no jutsu aus dem Staub machte.
Ashitaka tat wie geheißen und drehte an dem Knopf des Funkgeräts, das eigentlich nicht mehr als ein Halsband und ein Knopf im Ohr waren.
Und so begann >Hammer auf Amboss<, die kraftaufwändigste Taktik dieses Zweier-Teams.
Damakura Uchiha rührte sich nicht; er wartete einfach ab, bereit zu reagieren. Und Ashitaka war bereit ihm etwas zu liefern, das einer Reaktion würdig war! Aus dem Stand spurtete er vor, schlug Fingerzeichen an. „Katon:…“ Chakra sammelte sich in seiner Lunge und wurde ruckartig nach vorn ausgestoßen. „Housenka no jutsu!“
Ashitaka bremste ab und jagte einen Hagel fußballgroßer Feuerkugeln auf seinen Gegner.

Mit dem Rücken hinter einem Felsen stehend, absolvierte Rannja ebenfalls eine Kette aus Fingerzeichen. Sie konnte aus erhöhter Position das Feld überblicken und zielte. „Magen: Hinote engan!“

Aus dem Dutzend flammender Fußbälle wurde ein gewaltiges Geschoss von mehr als vierzig Metern Durchmesser – zumindest für den Betrachter, der auf diese Genjutsu hereinfallen sollte.

„Feuer gelegt“, meldete Rannja über Funk. Mit einem Knistern des Äthers erhielt sie die leicht verzerrte Anweisung:
„Verstanden. Raikiri auf links.“
„Raikiri auf links“, wiederholte die Kiobashi und kam ihrer Rolle als Unterstützerin des Kampfes voll nach. Sie schuf das nächste Genjutsu: >Ikamono chikara no chakra<.

„Raikiri auf links“, erklang es aus Ashitakas Empfänger. Der Emishi hatte die linke Hand ausgestreckt und sah das Genjutsu aus dem Augenwinkel: Eine imaginäre, blausilbern glühende und gleißende Blitze verschießende Ansammlung von Chakra knisterte und knackte um seine Hand.
„Perfekt!“

Damakura sah den Feuerball stirnrunzelnd auf sich zudonnern. „Interessant…“ Seine Gestalt ging in einer wahren Hölle aus brüllenden Flammen unter. Und durch die Feuer und den Rauch preschte der Chuu-Nin auf seinen Feind zu, eine schrill pfeifende Raiton-Technik in den Händen.
Damakura ignorierte den sengenden Schmerz, den das Genjutsu ihm bescherte, und schloss seine Fingerzeichen unmittelbar, bevor Ashitaka sein Ziel erreichen musste. Eine Wand aus Erde bretterte in die Höhe; drei weitere Erdwälle folgten nach und errichteten eine Schutzmauer um den Nuke-Nin.
Ashitaka kam aufgrund dieser defensiven Taktik ins Stocken. Sein Raikiri war nicht echt, und einer Mauer aus Erde würde man mit dem folgerichtigen Genjutsu der >Falschen Wunde< wohl kaum am Fundament kratzen. „Mist…“, knurrte er in seinen Funker. „Er verschanzt si-…“ Die Felsnadel brach urplötzlich aus der Panzerung hervor und hätte den Shinobi um ein Haar aufgespießt. Der Emishi stieß sich vom Boden ab, wich einem zweiten Erdnagel im Sprung aus, um auf der anderen Seite dieses merkwürdigen Zufluchtsortes zu landen.
Sofort fuhr er herum, mit Chakra in der Lunge. „Gokakyu no Jutsu!“
Diesmal war der Feuerball absolut echt, wenn auch nicht ganz so überdimensional wie in Rannjas gesponsortem Genjutsu. Hatte der Beschuss zuvor noch flächendeckende Wirkung im Sinn gehabt, konzentrierte sich dieses Geschoss einzig und allein auf den Erdwall, umtoste ihn mit dem wilden Fauchen lebendigen, hungrigen Feuers!
Ashitaka wartete, den Blick fest auf das langsam verrauchende Feuerwerk gerichtet und die Hand an Schnitters Schwertgriff. Die andere Hand legte er auf den Funker an seinem Hals.
„Irgendein Erfolg zu verzeichnen?“
„Negativ“, kam es betrübt zur Antwort. „Der erste Feuerball traf, doch er hatte noch Zeit, sich in der Erde zu vergraben.“
„Kannst du aktiv werden?“

„Tut mir leid, aber ich brauche Sichtkontakt“, erwiderte Rannja und schielte um den Felsen herum, den sie sich als Versteck auserkoren hatte. „Ashitaka… die Lage sieht übel aus.“
„Wieso?“
„Er hat Katon als Offensive und Doton dazu, um sich zu verteidigen“, erklärte die Kiobashi ihrem verlobten missmutig. „Dieser Typ ist hart. Ein Ninjutsuka, der angreifen und blocken kann.“ Sie hielt kurz inne, ehe sie aussprach, was sie die ganze Zeit über beschäftigte: „Ashitaka… wir sollten besser verschwinden! Das hier ist >Hoshi<, eine Neuner-Vorgabe!“
>Hoshi< ist eine Verwendung aus dem Go-Jargon, wo man die neun Vorgabefelder auch als >Hoshi<, also Sterne, bezeichnet.
„Der Sensei hat daran geglaubt, dass ich sogar einen Jo-Nin schlagen kann“, erwiderte Ashitaka ungerührt.
„Der Sensei ist tot“, entgegnete Rannja in dem nutzlosen Versuch, den Emishi zum Abbruch des Kampfes zu bringen. Aus der Entfernung sah sie ihn in der Nähe des Doton-Jutsu stehen, das Schwert fast gezogen und bereit, draufloszustürmen, sobald sich sein Feind zeigen würde. „Mag ja sein, dass wir einen Jo-Nin schlagen können… aber nicht diesen Typen!“
„Du verstehst nicht“, kam es knapp aus dem Funk. „Nicht an UNS hat Tora Yuki geglaubt.“

Ashitaka zog sein Kurzschwert, und Schnitter lebte in orangeroten Flammen auf. „Nicht nur an UNS. Er hat an MICH geglaubt!“ Okamigan erwachte in pulsierendem Licht; drei schwarze Kreise auf goldgelbem Grund umschlossen als dreifachen Ring die Iris. Das Feuer um den Erdwall war inzwischen zu rauchenden Säulen verkommen und hatte eine kohleschwarze Kruste hinterlassen, wo es am heißesten gewütet hatte.

Rannja spürte das Chakra ihres Verlobten, konnte es regelrecht greifen, als es derartig leidenschaftlich geschmiedet wurde, und ihre Augen weiteten sich. „Irgendwann…“, flüsterte sie, sodass es nicht durch den Funk kam, „Irgendwann, du Nichtskönner, hast du dich verändert. Du hast dich verändert, ohne dass ich es bemerkt habe.“ Sie lächelte und sprach deutlich in den Funk: „Ich bin dabei.“

„Ich bin dabei.“
Ashitaka hatte keine andere Antwort erwartet. „Gut.“ Und dann stieß er sich vom Boden ab; das Chakra in seinem Körper katapultierte ihn mehrere Meter in die Höhe, und auf dem Zenit seines Sprungs riss er Schnitter nach oben. Bereit zum Schlag. Bereit, den Feind aus seinem noch rauchenden Erdversteck zu holen.
Die Erdpanzerung platzte auseinander; Damakura Koaku schoss heraus, dem Emishi plötzlich in der Luft gegenüber stehend.
„Du hast amüsante Augen“, stellte der Nuke-Nin fest. „ich frag mich, ob sie auch was taugen, wenn ich SO angreife!“
Der Schlag kam schnell und gnadenlos, fegte Ashitaka aus der Luft und ließ ihn am Boden aufschlagen. Auf dem trockenen Untergrund schlidderte er ein Stück weit, ehe er mit wild pochender Seite liegen blieb, das Schwert gerade noch in der Hand haltend. „Nein…“
Damakura kam auf den Füßen auf. „Doch. Hier und heute stirbst du, denn deine Augen sind nichts weiter als nutzlose Blinker.“
„Nein.“ Ashitaka erhob sich mit einem Aufstöhnen und einem wilden Anflug von Trotz. „Du stirbst.“ Er stürmte vor, riss Schnitter hoch und schlug zu.
Der Nuke-Nin löste ein Siegel an seinem Unterarm ebenso souverän und lässig, als würde dieses kleine Kunststück zum Standart gehören. Ein Katana sprang in seine Hand, und das Eisen sang. Funken flogen und Schwerterstahl heulte mit schrillem Kreischen auf, als sich die beiden Klingen ineinander verbissen, sich die Kämpfer in einer Kreisfigur bewegten und einander zu verletzen versuchten.
Als hätten sie es abgesprochen, sprangen sie wieder auseinander; simultan schlossen sie die Fingerzeichen für Gokakyu no jutsu, schossen Feuerbälle aufeinander ab, die in der Luft zusammenprallten und explodierten.
„Dein Potenzial ist groß“, stellte Damakura lächelnd fest, als wäre er ein Gentleman der alten Schule, der dem Gegner bei jeder Gelegenheit Respekt erweisen müsste. Er stieß noch einen Feuerball aus, größer als die bisherigen.
Ashitaka hob im Reflex die Hände, verharrte dann jedoch. Okamigan erwachte erneut in seiner vierten Dimension; die Flammenkugel prallte mit großem Getöse auf die Barriere verdichteten Raums, rauschte links und rechts daran vorbei. Pure Energie zischte als ein Haufen winziger Blitze zu Boden. Als die Kekkai wieder erlosch, fielen die Flammen sterbend wie Kerzenlichter herab.
Dann sprach wieder das Metall.
Ein Wirbel rasender Bewegungen kam plötzlich zum Stehen; Schnitter und das Katana prallten ineinander und lieferten sich ein stillschweigendes Kräftemessen, während sich die Besitzer über ihre gekreuzten Klingen hinweg ansahen.
„Ich frage mich wirklich… woher du diese Energie nimmst, dich deinem Tode zu stellen“, offenbarte Damakura gelassen. „Es interessiert mich wirklich.“
„Du hast jemanden getötet… der uns ein guter Freund war!“, presste Ashitaka zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Ah“, machte der Nuke-Nin, als verstünde er nun alles. Und trat zu, seitlich und horizontal, fegte den kleineren und leichteren Shinobi von den Füßen und setzte nach. Nicht aber mit dem Schwert; ein weiterer Tritt knallte den jungen Emishi rückwärts gegen einen Felsblock. Ashitaka sackte an Ort und Stelle zusammen, halb ohnmächtig und sich die getroffene Stelle haltend. Schnitter war neben ihm in den Staub gefallen.
Damakura näherte sich bedächtig. „Uns?“, hakte er dann aber doch noch nach. „Du meinst, dir und deiner kleinen Freundin, was?“
Der Emishi hob den Blick, Blut quoll als dunkle Linie unter seinem Haaransatz hervor. „Wen denn sonst?“, versetzte er und spuckte rötlichen Speichel aus.
„Eine schlechte Verbündete.“
„Wie kommst du … darauf?“
„Weil sie schließlich nicht hier ist“, Damakura Koaku trat mit gezücktem Schwert vor ihn wie ein Henker vor den Angeklagten, „um ihren Beitrag zu diesem Kampf zu leisten!“
Dann kam das Kunai, mit einer Kibakufuda hintendran!
Der Mann vollführte einen weiten Sprung nach hinten, rein aus Reflex, als sich die Bombe in sein Blickfeld schob, doch nichts explodierte. Das Kunai verschwand einfach im Nirgendwo. Wie es Genjutsu zu tun pflegen.
Er wandte den Kopf. „Ach, da bist du ja.“
Rannja starrte von einem anderen Felsbrocken aus auf den Nuke-Nin herab, die Hände zum Tigerzeichen ineinander gefaltet. „Ich bin hier, um meinen Anteil am Kampf zu leisten“, giftete sie. Ihr Blick fiel auf Ashitaka, der sich nur halb aufrichtete und dann wieder gegen den Fels lehnte, und die eisige Härte darin wich zu einem kleinen Stück so etwas wie Mitleid. „Ich bin hier.“ Dann ruckte ihr Blick wieder herum, zeigte nur noch kalte Berechnung und die pure Entschlossenheit, hier und jetzt nicht wegzulaufen. „Und ich kämpfe.“
Irgendwann in den letzten Momenten hatte Rannja diesen Entschluss gefasst. Es wurde Zeit, eine neue Technik anzuwenden. Neue Wege zu beschreiten. Nicht nur aus dem Hintergrund zu agieren.
Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. „Und jetzt erfährst du, was es heißt, Rache zu erleben.“ Sie absolvierte das Fingerzeichen, als schlage sie jemandem mit der bloßen Hand den Kopf ab.
Eine Kobra hob ihren baumdicken Leib aus Feuer und spreizte den Kragen aus Rot und Gelb. Damakura Koaku blickte zu der Höllenkreatur auf, stierte in die gelben Schlangenaugen und den lodernden Rachen, der im nächsten Moment auf ihn herabschoss.
„Tss...“ Der Nuke-Nin wich aus; der Kopf der Schlange schien sich selbst in einer Explosion zu sprengen, formte sich erneut und setzte nach.
Damakura hob die Hand, sprach „Kai“ und der Schlangenleib zerfiel in einer Aschewolke. „Das bringt dir nichts...“ Dann aber zog er eine Augenbraue in die Höhe. Aus der sich auflösenden Schlange schoss eine Ranke, umkrampfte den Körper des Mannes und lähmte seine Bewegungen.
Rannja lächelte grimmig. Es ging um alles oder nichts, und sie würde alles aufbieten, was sie konnte. Ihr Verlobter hatte sich bereits schwer getan; eine Flucht wäre bei so einem Kerl außerdem nutzlos. Der Kiobashi blieb nur, sich auf Ashitakas Vorarbeit zu verlassen und zuende zu bringen, was er begonnen hatte.
„Wie oft willst du noch >Kai< schreien?“, fragte sie schnippisch. Die linke Hand war zur Faust geballt und hielt die Bohnenranke – das Genjutsu Sakujou kibou no jutsu – unter der Kontrolle, während die andere Hand das Tigerzeichen setzte.
Im nächsten Augenblick materialisierten sich Shuriken, zu dutzenden und hunderten erschienen sie aus dem Nichts heraus.
Rannjas Bewegung war ein Schlag ins Leere; die illusionären Waffen kreiselten auf der Stelle und zischten allesamt auf den gefangenen Gegner los. Der Getroffene riss die Augen auf, als die Geschosse seinen Körper durchstießen, von selbst kehrt machten und erneut attackierten.
Rannja kombinierte >Shuriken henshu<, die Wurfsterntäuschung, mit >ikamono Chishio<, der Falschen Wunde. Ihre geistige Energie peitschte durch das Gehirn des Nuke-Nin, simulierte stechenden Schmerz und sein Blut, das aus tausend Schnitten aus seinem Körper troff, während er noch immer durch die Bohnenranke festgehalten wurde.
Der Koaku schwankte. Keuchte auf. Und dann war Rannja da, einen ganz eindeutig realen Dolch in der Hand. „Und jetzt Schluss!“ Die Klinge stieß vor, und das Blut Damakuras sprenkelte den Boden.
Als wäre es das Leichteste der Welt, pflückte der Nuke-Nin das Kampfmesser aus der Luft und schnitt sich dabei in die Handfläche.
„Genjutsu sind nutzlos“, erklärte Damakura so abgeklärt, als hätte er nicht gerade eine wahre Tortour an Schmerzen erlebt. „Nutzlos wie alles andere, was ihr kleinen Kinder anstellt.“ Er stieß die Chuu-Nin lässig zurück, entwand ihr den Dolch und warf ihn beiseite. „Ihr seid nur Schlangen, die sich am Boden winden. Und ihr habt nicht den Falken gesehen, der euch ins Visier genommen hat.“
Rannja funkelte den anderen mit einem kalten Blick an. Und ihre Augen blickten plötzlich an ihm vorbei.
„Aber diese Schlange“, rief jemand anders, „hat zwei Köpfe!“ Ashitaka war plötzlich wieder da, sprang den Gegner in vollem Lauf an. Seine Finger bohrten sich in die Schultern des Mannes; der Schwung trug den Emishi über ihn hinweg, dessen Körper regelrecht mitgerissen wurde. Mit einem Aufschrei schleuderte Ashitaka den anderen über sich hinweg, ließ ihn mehrere Meter entfernt wieder aufschlagen.
„Guter Zeitpunkt“, konstatierte Rannja. „Und schöner Spruch.“
„Danke“, war die knappe Antwort. „Ist mir spontan eingefallen.“
Anderswo richtete sich Damakura wieder auf, blinzelte wütend zu den beiden Chuu-Nin hinüber. „Allmählich geht ihr mir auf die Nerven.“
„Machen wir ihn zusammen fertig“, rief Rannja, wurde jedoch von Ashitakas Hand zurückgehalten.
„Lass mich allein vor. Das ist keine Arbeit mehr für dich.“ Der Emishi zog Schnitter erneut aus der Scheide, winkelte das Kurzschwert an und zog den Kopf ein, als wolle er eine Barrikade rammen. „Ich bringe es mit >Eisenzähniger Dämon< zuende.“
Schnitter glimmte in orangenen Flammen auf, als Ashitaka Chakra schmiedete. Eine ganze Woge Energie wallte auf, zeichnete sich für einen Moment als blaue Aura um den Chuu-Nin ab und verzog sich ins Innere seines Körpers. Okamigan erwachte zum dritten Mal, passierte ein, zwei, drei Schichten. Goldenes Feuer, flüssiger Bernstein.
Ashitaka preschte plötzlich los, von Chakra durchflutet und von grenzenlosem Hass getrieben. Hass, wie er ihn noch nie empfunden hatte und wohl nie wieder empfinden würde. Tora Yuki war ein Schleifer gewesen; doch immerhin hatte er seine Schüler nach der nötigen Zeit der Quälerei repektiert. Etwas, was man nur selten für Ashitaka getan hatte. Der meisterhafte Nichtskönner, so nannte man ihn, und nun würde dieser Nichtskönner beweisen... wie meisterhaft er wirklich war.
Damakura grunzte abfällig und spuckte einen Feuerball aus.
Ashitaka stieß sich ab, mit Chakra in den Füßen. Und dann geschah alles zugleich, denn der Emishi nutzte die letzte Gabe, die sein Sensei ihm überlassen hatte. Das Drachenglas, zum Bersten gefüllt mit der Energie Tora Yukis. Okamigan sprang in seine nächste Stufe, gold wandelte sich in schwarz; ein Moment übersprang das ewige Hindernis der Zeit und wurde zur Ewigkeit.
Ein Wimpernschlag gefror zu einer Bewegung mehrerer Stunden. Ashitaka war über den Feuerball hinweg gesprungen, sah die tausend Flammenzungen unter ihm quälend langsam ihre feurigen Hände nach ihm ausstrecken. Sein Bewusstsein griff hinaus, zerrte Tora Yukis Chakra aus dem Gesteinssplitter hervor. Der Energiestrom peitschte durch Ashitakas Körper, entfachte sengende Hitze.
Energie. Kraft, die darum bettelte, freigelassen zu werden.
Ashitaka tat ihr den Gefallen. Schnitter brandete in tiefroter Flamme auf und fuhr herab, als die Welt wieder begann, sich zu drehen.
Rannja riss die Arme hoch, als die Kraft explodierte und eine Staubwolke meterhoch in den Himmel jagte. Sie hatte nicht gewusst, was >Eisenzähniger Dämon< sein sollte – wenngleich sie diesen Namen schon gehört hatte. „Bei >Eisenzähniger Dämon<“, hauchte sie, ihren eigenen Vater zitierend, als ihr seine Worte wieder einfielen, „brechen die Knochen nicht.“ Der Staubwolke folgte der Kraftimpuls, der als Schockwelle über die Ebene raste. Knisternde, blaue Energie, die sich zerfaserte und auflöste. „Sie zersplittern.“
Der Krater war nicht sehr tief, maß jedoch mehr als zehn Meter in seinem Durchmesser. Und mittendrin stand Ashitaka, sich mühsam auf den Beinen haltend, Schnitter mit blutig roter Klinge glänzend in der Hand haltend. Er keuchte, als er bestürzt feststellen musste, wie sein Körper mit dem Energieausstoß kämpfte. Er wußte, dass es eine Kunst gab, die den Körper extrem schädigen konnte. Hachimon tonko nannte man sie unter Experten, und Tora Yuki hatte es bereits einmal versucht, dem Emishi die Risiken, aber auch die Funktionsweise dieser Kunst klarzumachen. Es ging um Keirakukai, acht Tore und pure Willenskraft.
Doch die acht inneren Tore konnte man auch anders öffnen. Durch einen Chakraschub. Wobei man in Ashitakas Falle wohl nicht von >öffnen< reden konnte – er sprengte diese körperlichen Regulierungen eher aus den Angeln. Mit purer Kraft, die er dem Drachenglas entrissen hatte.
Damakura Koaku stand noch auf den Beinen, doch zu seinen Füßen lag sein linker Arm. Seine Augen waren voller Bestürzung darauf gerichtet. „Du...“, zischte er rasend vor Schmerz, „Du... BASTARD!“
Er bewegte sich mit erschreckender, monströser Geschwindigkeit, prellte dem überraschten Chuu-Nin das Kurzschwert aus der Hand und rammte ihn mit der Schulter, sodass er rücklings auf dem Boden aufschlug. „ICH TÖTE DICH!“
Sein Schwert blitzte auf. Und für Ashitaka war dieser Moment der wohl Schrecklichste seines Lebens. Und er konnte förmlich sehen, wie das Katana des Nuke-Nin in ihn eindrang, ehe es wirklich passierte. Okamigan erreichte nochmals und zum letzten Mal die vierte Kraftstufe. Er schuf mit seiner Kekkei genkai ein letztes Mal den Schild aus verdichtetem Raum; das Schwert driftete ab, schrammte die Barriere. Brach mit dem Geräusch klirrenden Glases hindurch. Und fraß sich in den Rumpf des Chuu-Nin.
Und dann war Rannja da, das Kurzschwert Schnitter in der Hand. Mit einem gellenden Schrei schlug sie zu.
Damakura Koaku fiel tot hintenüber. Sein Kopf hüpfte noch ein wenig weiter.

Rannja holte rasselnd Atem. „Vorbei...“, hauchte sie. „Vorbei...“ Dann aber fiel ihr Blick auf Ashitaka, dem das Katana im Leibe steckte, und Schnitter landete klirrend auf dem Boden.
„Ashitaka...“ Die Chuu-Nin starrte auf das Blut. Viel Blut. Und nicht alles davon war das des toten Nuke-Nin. „Oh mein...“ Sie musste sich zusammenreißen, sich nicht zu übergeben. Es war ein grauenvolles Bild. In diesem Moment bewegte sich die Klinge; Ashitaka stöhnte vor Schmerz auf.
Rannja kam wieder zur Besinnung. „Du lebst“, flüsterte sie, und lauter: „Du lebst!“
„Es... schmerzt...“ Der Blick des Emishi war glasig in den Himmel gerichtet. „Es schmerzt so...“
„Ja!“, rief Rannja hysterisch. „Ja, natürlich schmerzt es! Warte! Ich... ich lasse dich nicht sterben!“ Sie kniete an der Seite ihres Verlobten nieder. „Bleib! Bleib wach, hörst du?“
„Es... schmerzt...“ Blut floss aus Ashitakas Mundwinkel.
Rannja hätte beinahe aufgeschrien, besann sich jedoch eines Besseren. „Ich kann das“, murmelte sie. „Ich kann das“, diese Worte wie ein Mantra wiederholend. „Ich bin eine Heilerin... ich muss nur diese eine Wunde behandeln!“
Indem sie das Selbstgespräch führte, versuchte sie, nicht völlig hysterisch zu werden. „Ich werde... diese Wunde schließen müssen.“ Doch wie? Das Katana einfach herauszuziehen, würde nur mehr Blut hervorrufen – und zum Tode führen. Ratlos suchte Rannja die Umgebung ab, Ashitakas schweres Atmen und leise Schmerzensschreie im Ohr. Ihr Blick fiel auf Schnitter.
Schnitter, das mit greller Flamme loderte, wenn man Chakra hindurchleitete.
„Chakraleitendes Metall“, flüsterte Rannja. Und sah auf das Katana. „Und du?“, fragte sie mit einem Male das Schwert. „Du hast einem starken Typen gehört... du musst auch so ein chakraleitendes Spielzeug sein!“ Eine Idee setzte sich in ihrem Kopf zusammen. Und mit einem Schulterzucken umfasste sie den Schwerterstahl dicht über der Wunde. „Komm schon... leite!“ Ihre Hände badeten in türkisen, grünlichen Flammen. „Männer und ihre Spielzeuge...“, fluchte Rannja – und spürte mit einem Male, wie sich ihr Chakra entfernte. Durch das Katana glitt und die Spitze erreichte. Voller Überraschung, dass es zu funktionieren schien, riss sie die Augen auf. „Ja!“
Sie zog am Schwert, hob es Millimeter um Millimeter in die Höhe. Ihr >Shosen Jutsu< wirkte durch die Schwertklinge bis direkt in die Wunde hinein, regte die Heilung auf diese Weise sogar dort an, wo Rannja mit ihrem jetzigen Leistungsniveau niemals hingelangt wäre.
Es war anstrengend, das Schwert in der Luft ruhig zu halten und so dem Chakra Zeit zum Wirken zu geben. Auf dem letzten Stück wäre ihr die Klinge beinah entglitten; Ashitaka sog scharf die Luft ein, als sich das Katana bewegte, doch konnte Rannja darauf keine Rücksicht nehmen.
„Gleich ist es vorbei“, rief sie und zog das Schwert heraus, warf es achtlos beiseite. „Und jetzt der Druckverband!“
Ihre Hände zitterten, als Rannja eine Schriftrolle aus der Hüfttasche holte und sie ausbreitete. Dutzende kleiner Siegel wurden offenbart. Rannja tippte auf eines davon; sofort sprang ihr ein Bündel Mullbinden entgegen.
„Ich muss die Blutung stillen...“
Ashitaka verfolgte mit glasigem Blick, wie Rannja sich abmühte. „Du... machst das gut...“
Rannja zog den Verband fest und sicherte ihn mit einer Nadel. „Spar dir das Reden.“ Ausnahmsweise sprach sie nicht so aufbrausend wie sonst. Eher milde.
Ashitaka lachte leise auf. „So wie du redest... bin ich kurz vor dem Tod...“ Ein Hustenanfall unterbrach sein kleines Lachen auf unschöne Art.
Rannja hielt einen Moment lang inne. „Nein“, erwiderte sie dann mit bewusst ruhiger Stimme. „Du bist schließlich der Nichtskönner. Du kannst nicht sterben, so einfach ist das.“
Ashitaka rang sich ein sardonisches Lächeln ab. „Sei dir mal... nicht so... sicher...“
Rannja warf ihm einen bangen Blick zu. „Nichtskönner“,sagte sie plötzlich ernst. „Halt deine neunmalkluge Klappe.“
Von da an schwieg der Emishi, wenn man von gelegentlichem Aufstöhnen und wirrem Gemurmel im Delirium absah. Rannja indes war äußerst aktiv. Sie war erschöpft vom Kampf und nervlich am Ende, doch indem sie sich die einzelnen Schritte der Behandlung vorsagte, kam sie langsam wenigstens über ihre Hysterie hinweg. Sie schob ihrem Verlobten Medizin in Pillenform in den Mund, welche die Blutbildung anregen sollte. Behandelte immer wieder mit ihrem >Shosen jutsu< die Bauchwunde und begann, als sie sicher war, alles getan zu haben, mit dem Abtasten des restlichen Körpers.
„Fissur im rechten Oberarm“, murmelte sie halblaut, ihre Handfläche prüfend über besagtes Körperteil wandern lassend. Medic-Nin besaßen ein erstaunliches Diagnose-Jutsu: Durch „Abfahren“ des Patienten mit der Handfläche konnten sie innere Verletzungen feststellen, da diese im Chakrafluss zu spüren waren.
„Und im linken Arm... auch?“ Rannjas Stirn zeigte eine steile Sorgenfalte. „Seine Knochen sind lädiert.“ >Eisenzähniger Dämon< schädigte offenbar den Körper, wenn man ihn exzessiv einsetzte. Die Kiobashi seufzte, löste ein weiteres Siegel auf ihrer Schriftrolle und trug eine Salbe auf die Arme. „Mehr kann ich nicht tun... Das Harz der Eisenbuche zusammen mit dem Saft des Blauzahn-Lotus.“ Und dann verstand sie, was ihr Vater gemeint hatte. Sie flüsterte:
"Bei Eisenzähniger Dämon brechen die Knochen nicht. Sie zersplittern." Sie sah zu dem Toten, dem der Arm sauber abgetrennt worden war. "Nicht die des Gegners... die des Nutzers." Das war wohl der Preis. Ob Ashitaka davon gewusst hatte? vermutlich. Doch er war bereit gewesen, ihn zu zahlen.
Sie verbrachten die Nacht auf dem Feld, unter Mänteln, die Rannja als Zeltplanen aufgespannt hatte. Und als der Morgen kam, befand sich Ashitaka in einem Zustand, der dem Koma bedrohlich nahe war. Doch er lebte.

Und er überlebte auch. Nach drei Tagen in der Ödnis erwachte Ashitaka endlich. Und kehrte gemeinsam mit Rannja nach Konohagakure zurück.
Ob es Ärger gab? Oh ja, es gab ein Disziplinarverfahren, doch ist die Strafe inzwischen wieder verflogen und somit unwichtig. Alles, was nun noch zu sagen ist, ist folgendes: Ashitaka und Rannja leben wieder in Konohagakure, und sie warten darauf, Informationen über die drei verbliebenen Mörder ihres Sensei zu erhalten und erneut auf Jagd zu gehen.
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[Ashitaka Emishi] Bewerbung
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